IPPNW Kongress: 20 Jahre Tschernobyl - 08.04.2006, Bonn

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Die atomkritische, ärztliche Friedensorganisation IPPNW trauert um Hermann Scheer, einen außergewöhnlichen Menschen und Politiker, zugleich auch ein enger politischer Wegbegleiter der IPPNW. Die mehr als 20.000 Windenergieanlagen in Deutschland erinnern daran, dass Hermann Scheer allein mit der Kraft des Wortes dieses Land sichtbar verändert hat. Ebenso sind die mehr als zwei Millionen Solaranlagen Deutschlands maßgeblich mit auf das kraftvolle und unermüdliche Wirken von Hermann Scheer zurückzuführen.

Erneuerbare Energien waren für Hermann Scheer weitaus mehr als nur eine Technologie. Hermann Scheer ging es auch um die großen politischen und ökonomischen Zusammenhänge. Mit der EUROSOLAR-Anzeige "Frieden durch Sonnenenergie statt Krieg um Erdöl" machte er 2003 im Vorfeld des Irak-Krieges darauf aufmerksam, dass erneuerbare Energien ein ganz zentraler Schlüssel für die Verhütung von Kriegen sind. Hermann Scheer kritisierte den NATO-Krieg gegen Jugoslawien als "Kriegsverbrechen", den Kriegseinsätzen der Bundeswehr verweigerte er seine Zustimmung.

Hermann Scheer kämpfte für eine "Energie-Autonomie" mit dezentralen erneuerbaren Energieanlagen "in Bürgerhand". Zum einen sah er, dass nur durch die wirtschaftliche Kraft tausender neuer Akteure der beschleunigte Umstieg auf 100% erneuerbare Energie Realität werden kann. Zum anderen lagen ihm die zahlreichen positiven gesellschaftlichen Implikationen einer solchen Energiewende am Herzen: Die Beseitigung der atomaren Risiken und der Bedrohung der Umwelt, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die ökonomische Stärkung der Regionen und der ländlichen Räume, die Schaffung neuer Existenzgrundlagen, die dadurch bedingten Effekte einer breiteren Vermögensverteilung und einer stärkeren Demokratisierung von Wirtschaft und Politik.

Nach Auffassung von Hermann Scheer hätte die Bundesrepublik Deutschland eine stärkere Demokratisierung dringend nötig. Vehement kritisierte er, wenn große Energiekonzerne Politiker nach ihrem Ausscheiden aus der Politik mit gut dotierten Posten versorgten: "Korruption in Deutschland funktioniert so: bezahlt wird hinterher", sagte Scheer immer wieder.

Sein nicht zuletzt auch weltweit ausgesprochen erfolgreiches Wirken rief natürlich enorme Widerstände derer hervor, die durch das fossil-nukleare Energiesystem derzeit noch gewaltige Gewinne realisieren. Das Vorhaben von Hermann Scheer, als Wirtschaftsminister das Bundesland Hessen zur weltweiten Modellregion für den schnellen Umstieg auf 100% erneuerbare Energie zu machen, wurde von einer breiten Koalition massiver Gegenkräfte vereitelt.

Es ist allerdings zu erwarten, dass die Saat, die Hermann Scheer nicht zuletzt auch in Hessen mit ungezählten Vorträgen und Gesprächen gelegt hat, weiter aufgehen wird. Dafür wird nicht zuletzt sein soeben erschienenes Buch "Der energethische Imperativ" sorgen. Jeden Tag werden in Deutschland weitere Windenergie- und Solaranlagen errichtet. Der Anteil der erneuerbaren Energien "in Bürgerhand" wird stetig weiter wachsen.

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Hermann Scheer, geb. am 29. April 1944, gest. am 14.10.2010, war als Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD) und als Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR einer der profiliertesten Verfechter einer solaren Energiewirtschaft. Das Erneuerbare Energiegesetz ist mit auf Hermann Scheer zurückzuführen. Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und politischer Publizist ist u.a. Träger des Weltsolarpreises (1998), des Alternativen Nobelpreises (1999) und des Weltpreises für Bio-Energie (2000). Zu seinen bekanntesten Büchern zählen: "Sonnenstrategie" (1993), "Solare Weltwirtschaft" (1999) und "Die Politiker" (2003). Über ihn erschien 1998 das Buch von Siegfried Pater "Hermann Scheer - Anwalt der Sonne".

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