Videomitschnitt des Vortrags "Produktionsformen vernetzten Wissens seit der Aufklärung" von Ulrich Johannes Schneider im Rahmen der Konferenz "Wikipedia: Ein Kritischer Standpunkt".

Abstract:

Fachwissen gab es immer, unbestimmtes Hörensagen auch. Neu ist seit der Aufklärung, dass wir ein vermittelbares und nachprüfbares Wissen haben. Darauf beruht alles Lehren und Lernen, dieses Wissen hält die Gesellschaft im Gleichgewicht. Die veröffentlichte und die öffentliche Meinung sind ohne dieses Wissen „im Hintergrund“ ohne Gewicht. Es wird um dieses Wissen gekämpft, es wird erkämpft. Es ist das Wissen der Enzyklopädien.
Die ersten Helden enzyklopädischer Wissenskultur hießen Ephraim Chambers, Johann Heinrich Zedler und Denis Diderot, die vorerst letzten nennen sich Wikipedianer. Sie alle arbeiten auf dem Feld der veröffentlichten und der öffentlichen Meinung. Sie beackern dieses Feld, übersetzen das Wissen aus Büchern und Internetportalen in begreifbare Einheiten, geben den verschiedenen Meinungen Argumente. Die Enzyklopädisten denken global, auch wenn sie in nationalen Kulturen operieren. Sie sind da, wo ihre Leser sind, und zugleich eben dort schon wieder weg.
Aus den Aufgaben der Vermittlung und der Überprüfung ergeben sich komplexe Redaktions-vorgänge. Beim Hintergrundwissen gibt es keinen Unterschied zwischen Produktion und Redaktion; seine Qualität liegt in der Vernetzung selbst. Keine Sache ist nur eine Sache, kein Begriff ohne Interpretation, keine Information ohne Version.
Der Wandel enzyklopädischer Wissensordnungen wird anhand von Beispielen aus der Aufklärungszeit anschaulich erläutert.

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