Probenbesuch beim neuen Projekt von Kendra Walsh:
ein Tanzstück von und mit Kendra Walsh und Samuel Rohrer
Eine Arbeit am Sufismus mit den Mitteln von Leere und Vielfalt.
Thy body permanent,
The body lurking there within thy body,
The only purport of the form thou art, the real I myself,
An image, an eidolon.
aus «Eidolons» by Walt Whitman
weave = Gewebe, Webart, Bindung, weben, sich schlängeln
warp = Kettfaden, Krümmung, Verdrehung, verformen
Eine Tänzerin, ein Musiker, ein liegender Körper – gemeinsam bilden sie ein Gewebe aus Traum und Wirklichkeit auf begrenztem Raum. Die Szenerie könnte ein Unfallort sein oder auch ein Rock-Konzert. Dem Anschein nach ist es jedoch ein Studio in dem ein Musikvideo gedreht wird. Vielleicht wird gerade probiert, vielleicht auch schon gefilmt. Klappe für Klappe. Es ist einiges los. Bilder und Klänge werden wiederholt, verworfen oder weiter entwickelt. Es gilt, von Verlockungen und dramatische Spannungen zu erzählen. The Work is the Warp. Regisseur und Musiker sind wahrscheinlich doch nur eine Person. Und was ist denn nun das Ding da auf dem Boden?
Indem Kendra Walshs neues Stück andauernd den Fokus von Verführung auf Verspieltheit und das Makabre verschiebt, bietet es eine Reflektion über die Flut fragmentarisierter Information, der wir täglich ausgesetzt sind und die wir herausgefordert sind zu verarbeiten. Distanz ist eine relative Grösse – ebenso wie Sinn. Kendra Walsh und Samuel Rohrer erforschen die Kraft der Suggestion; sie interagieren an der Schwelle zur Illusion, loten die Grenzen des Seltsamen und des Allgemeinen aus. Als würde eine Probe aufgeführt werden die Fehler, die geschehen integriert und transformiert. Die schlussendliche Ordnung der Dinge ist ungewiss. Welches Arrangement der Elemente übt die richtige Anziehung aus? Da die meisten Musiker und auch ein Grossteil des Stückes fehlen, bleibt das Produkt abwesend. Die Entscheidung schwebt. Die Unmittelbarkeit von Echtzeit und Bühnenpräsenz – kontrastiert mit der weichen Patina der Virtualität – ist der rote Faden.
Kendra Walsh hat am Roxy bereits ihre Choreographien «Paradise» und «Spuren» entwickelt und performt.
Samuel Rohrer wird international als Jazz-, Rock- und Improvisations-Percussionist gefeiert.
Konzept, Tanz: Kendra Walsh.
Musik, Perkussion: Samuel Rohrer.
Licht: Brigitte Dubach.
Oeuil Extérieur: Peter Jecklin.