„3D-molition d’un Mur“
Gruppenausstellung "Lost Media: Found"
Begleittext zur Installation im Filmmuseum Frankfurt:
Einer der ersten Filme der Brüder Lumière aus dem Ursprungsjahr der Filmgeschichte 1895 Arrivée d‘un train en gare de la Ciotat wurde bereits im Jahr 1903 auf der Weltausstellung in Paris in einer 3D-Version präsentiert. Man hatte das in der Fotografie schon lange bekannte Prinzip der „Stereografie“ auf bewegte Bilder übertragen. In der Geschichte des dreidimensionalen Films hat es seither immer wieder Hochphasen gegeben, die erste nach der Einführung des Fernsehens in den 1950er Jahren, als das Kino durch neue Attraktionen verzweifelt versuchte, Zuschauer zu binden. Das Verfahren ist dabei stets das gleiche geblieben, obwohl die technische Umsetzung variiert und verfeinert wurde. Der jüngste, nunmehr digitale Boom von 3D-Kinos findet vor allem in den USA und hierzulande in den großen Cineplexen statt. Nach wie vor werden 3D-Filme jedoch vor allem als sensationelle Attraktionen verkauft, die sich meist in ihrem Effekt erschöpfen. Für „großes Kino“ scheint die dritte Dimension dagegen schlichtweg (noch) nicht von Bedeutung zu sein.
Die Arbeit „3D-molition d’un Mur“ spielt mit diesem Themenkomplex - der ständigen Verdrängung von alten Medien durch neue und ihrer zyklischen Wiederkehr in anderem Gewand. In Anlehnung an den gleichnamigen Film der Brüder Lumière Nr. 40 von 1896 wird hier eine das Bild versperrende (naturgemäß zweidimensionale) Mauer niedergerissen, um den Blick auf eine dreidimensionale Stadt-Landschaft freizugeben. Doch wie in der Vorlage baut sie sich wie von Geisterhand wieder auf - nicht ohne sich jedoch ein wenig zu verändern...
In Endlosschleife im historischen Kaiserpanorama innerhalb der Dauer-ausstellung im Filmmuseum präsentiert, wird dieser Prozess zum ewigen Kreislauf.