Nicht alltägliche Transzendenzen
von Philipp Stoellger (D)
mit Hermann Glettler (A), Stephan Schaede (D),
Rosi Mild (A) u.a.
Sa 11/10
Fluchtgelegenheiten aus der Ordnung des Alltags sind Alltagsvermeidungsgelegenheiten. Damit sind sie unglücksanfällig, aber auch glücksverdächtig.
Denn man könnte ja anderes und mehr finden als gedacht. Alltagsvermeidung ist allerdings meist längst alltäglich geworden. Die meisten Gegenwelten
hat man meist längst bereist. Wenn man sich nicht auf die Suche macht nach unalltäglichen Ausflüchten, nach Transzendenzgelegenheiten, die man nicht schon tausendmal probiert hat – wo landet man dann?
Eine unbekannte Stadt ist dazu bestens geeignet, fast zu gut, wenn einem alles noch neu ist. Unbekannte Götter könnten da auch weiterhelfen, wenn sich die denn finden ließen. Aber wo landet man, wenn man nicht nur sucht,
sondern bloß finden will – was man nicht gesucht hat?
Es besteht allerorten ein erstaunlicher Transzendenz- bedarf: das Bedürfnis nach Überschreitungen des Gewohnten. Dazu gibt es ganze Bedürfnisbefriedigungs-industrien: Freizeit, Sex, Autos, Kunst und ähnlicher Kommerz bedienen dieses Transzendenzbedürfnis. Religion ist eine dieser Industrien.
Aber was geschieht, wenn man strikt non-commercial- und non-profit-orientiert nach Transzendenzen sucht, nach Horizontüberschreitungen, die einen finden, obwohl man sucht? Was lässt sich in Graz finden, ohne es zu suchen? Wo führt diese Stadt und ihre religiösen Relikte in Ungewohntes, wenn nicht Unheimliches? Eine
Archäologie der religiösen Vergangenheit dieser Stadt lohnt einen Stadtrundgang – um zu schauen, was sich nicht rundet, was nicht mehr geht und um sich von diesen Relikten in lost worlds locken zu lassen. Glücksfunde mit Unglücksrisiko sind angesagt.
Wir steigen hoch auf einen Kirchturm und imaginieren die Tiefe eines Friedhofes. Wir besuchen Pfarrer Herrmann Glettler in seiner etwas anderen Kirche St. Andrä und die legendäre Restaurantbesitzerin Rosi Mild, die sich
mit kulinarischen Fluchtbewegungen genauso gut auskennt wie mit den alltäglichen Räuschen ihrer Gäste. Wir schauen uns prägnante Fluchtobjekte
in der Kunst an und sind selber gehend auf der Flucht – durch Graz, auf der Suche nach dem Glück
Dokumentation:
Bilder des Festivals
Ein Projekt von autokolor im Rahmen des Festivals steirischer herbst 2008 – steirischerherbst.at
Kamera, Schnitt: Anke Philipp, Ulrich Reiterer, Timm Ringewaldt
Produktion: Timm Ringewaldt, autokolor
Weitere Infos:
steirischerherbst.at/2008/deutsch/video/video.php
steirischerherbst.at/2008/deutsch/kalender/kalender.php?eid=28
autokolor.org