Dividuelles Denken als Strategie zur Unglücksvermeidung
von Michaela Ott (D)
mit (A) & Marie-Luise Knott (D)
Sa 11/10
Denken wird herkömmlicherweise als individuelle Leistung verstanden, über die in besonderem Maße zu verfügen sich die Philosophie rühmt. Unsere Überzeugung ist dagegen, dass Denken immer mit dividuellen Größen beginnt und umso mehr Denken wird, je besser es diese in ihre Prozesse miteinzutragen versteht. Denn nur unter Wiederholung und Bejahung des Dividuellen scheint eine Minderung von persönlichem Unglück möglich zu werden.
Ausgangsannahme unserer Überzeugung ist, dass wir aus kollektiven Zusammenhängen hervorgehen und uns nur nach Maßgabe der Integration dividueller Größen individuieren. Zunächst sind wir Feldarbeiterinnen, gelangen zum Denken im Durchpflügen gegebener Artikulationen, im Nachdenken darüber, was je schon gedacht worden ist. Dividuelles Denken bedeutet von daher: hinhören und hinblicken auf das, was als Flüstern und Stottern anderer aus unvordenklichen Zeiten in unabsehbare Zukunft, als sich abzeichnendes Bildbilden, als werdendes Problem die Welt umläuft. Der als Individuum sich Verstehende muss seiner dividuellen Grundlegungen eingedenk bleiben, muss diese in seine Kulturtätigkeiten integrieren, wenn er lebendig bleiben und keinem falschen Verständnis persönlicher Leistung
anhängen will. Nicht zuletzt wird die Möglichkeit der Unglücksvermeidung davon abhängen, inwiefern er seine dividuellen Potenzen und individuellen Schranken erkennt. Dividuelle Verfahren verbinden Denkerinnen in Bild und Ton, Pinsel und Bleistift und anderen Kultur-techniken mit solchen von Rede und Begriff.
Entscheidend ist nicht die mediale Ausdrucksform, sondern die Haltung und Methode: Denken zu praktizieren als Erforschung und Aktualisierung
kollektiver Äußerungsgefüge, als Ineinander und Übereinander unterschiedlicher Symbolisierungsweisen, als Entdeckung neuer Subjektivierungen, als anderer Umgang mit Zeit. Auch diese Annahme untergründiger Verbundenheit und der Erprobung von Übergängen und dividuellen Übereinkünften kann eine Strategie zur Vermeidung von Unglück sein.
Dokumentation:
Bilder des Festivals
Ein Projekt von autokolor im Rahmen des Festivals steirischer herbst 2008 – steirischerherbst.at
Kamera, Schnitt: Anke Philipp, Ulrich Reiterer, Timm Ringewaldt
Produktion: Timm Ringewaldt, autokolor
Weitere Infos:
steirischerherbst.at/2008/deutsch/video/video.php
steirischerherbst.at/2008/deutsch/kalender/kalender.php?eid=28
autokolor.org