Selbstvermarktung einer erfahrenen Klassenkämpferin Erinna König

Die rätselhaften Skulpturen der Beuys-Schülerin erzählen viel über Erinna König selbst. So auch ein zum Grabstein umgemodelter Ikea-Stuhl - makabererweise mit dem Geburtsdatum der Künstlerin.
rtmann und Ulrike Zilly) zusammen: Aktionen, Ausstellungen, Künstlerbücher und Filme.
BONN. Sie ist die Entdeckung in Bonn: eine Künstlerin, die der Kunstmarkt übersehen hat. Sicher hatte das auch mit der Konsequenz ihres klassenkämpferischen Engagements zu. Es begleitet ihre gesamte Studienzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie während der bewegten Jahre 1967 bis 1976.
Als Studentin agitierte sie "gegen die Ölpest" der Malerei
König, Jahrgang 1947, war Schülerin u.a. von Diter Rot und Joseph Beuys. Sie entwickelte "Kampfmusik" zum Ausblasen des olympischen Feuers, gründete die Rote Zelle Kunst und agitierte "gegen die Ölpest" (der Malerei). Die von ihr mitbegründete Filmklasse von Ole John Povlsen wurde ihre Heimat. Später arbeitete sie als Lehrerin und betrieb lange Jahre das Café Op dr Eck an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

König arbeitet seit 1981 mit Fragmenten industriell vorgefertigter Gebrauchsartikel, die eine Geschichte erzählen. Durch malerische und skulpturale Eingriffe gibt sie ihnen neue Form und Bedeutung, die die alte überlagert. So verwandelt sie zwei nackte Rücklehnen von Kinositzen in eine unterschwellig beängstigende Sturmmaske, indem sie in das Holz Fenster aus Sicherheitsglas einbaute ("Machtpeter", 1991).

Inzwischen werden ihre Arbeiten immer subjektiver. Dass sie etwa über den Tod nachdenkt, verrät das Objekt "Die Schatten werden länger" (2009). Es erinnert an einen Grabstein, der einen langen Schatten wirft. Makaber ist, es könnte ihr eigener sein. Auf dem Granitstreifen findet sich ihr Geburtsdatum eingraviert. Als "Grabstein" dient die schwarz bemalte Sitzfläche eines Ikea-Stuhls.

Der Galerist Konrad Fischer entdeckte ihr Potenzial

Der Düsseldorfer Galerist Konrad Fischer entdeckte ihr Potenzial um 1994. Er starb, bevor es zu einer ersten Ausstellung bei ihm kommen konnte. Später nahm sich der Stuttgarter Achim Kubinski ihrer an; Erhard Klein, Mutscheid, legendär gewordener Galerist der rheinischen Künstler, stellte sie vier Mal aus. So kommt es, dass sich König zurzeit noch selbst vermarktet. Um zehn Prozent geht sie jährlich mit den Preisen rauf, die aktuell zwischen 5 000 und 19 000 Euro liegen. Das sind recht überschaubare Preise, aber vielleicht nicht mehr lange.

[handelsblatt]

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