SOUNDcheck - Das Musikporträt. Heute mit Children 18:3
Ausgabe: Juni 2011

Eine Band die sich CHILDREN 18:3 nennt und sich zum christlichen Lager bekennt? Das kann doch nur eine dieser Worshipbands sein. Aber schon der Blick auf das Cover des Debütalbums dürfte diese "Vorbehalte" weit von sich werfen. Diese 2-Mann-1-Frau-Combo aus Minnesota wirkt alles andere als die "lieben Kids" von nebenan. Eher meint man es hier mit einer Gothic-Rockband zu tun zu haben, aber auch das trifft nicht den Nerv der Musik.
CHILDREN 18:3 gründen sich 1999 aus den Geschwistern Lee Marie, David und Seth Hostetter. Der Bandname wird abgeleitet aus dem biblischen Hinweis, dass man, wenn man nicht wie die Kinder wird, nicht in den Himmel kommt (Matth. 18, 3). Ihre ersten Spuren im musikalischen Kosmos hinterlassen sie mit den beiden EPs "Places I Don't Want To Go" (2004) und "Songs of Desperation" (2006). Nach der Veröffentlichung der zweiten EP werden die Leute von Tooth & Nail-Records auf das Geschwistertrio aufmerksam und unterbreiten ihnen einen Vertrag. Dieser wird gerne angenommen und 2008 mit dem ersten selbstbetitelten Dreher erfüllt. Auf diesem geht es los wie die Feuerwehr. All My Balloons, LCM, das Tempo wird in den ersten beiden Tracks schon ziemlich hochgefahren. Lee Marie liefert sich Shout- und Gesangsduelle mit ihrem Bruder, punkig unterlegt von den Instrumenten. Insgesamt gibt es sehr gefälligen Punkrock zu hören, der keinem weh tut, aber für ordentlich Stimmung in der Bude sorgt. So gehen die ersten 4 Songs über die Bühne und erst bei Nummer 5 Even Sleeping werden zum ersten Mal noch Ska-Elemente unter den Punk gemixt. Das ergibt eine explosive Mischung, die so dermassen dreckig durch die Boxen gerotzt kommt, dass mancher sich sicherlich verwundert die Augen reiben wird, weil es sich doch um eine fromme Band handelt. Insgesamt wird auf dem Debüt in der guten halben Stunde eine riesengroße Party gefeiert. Highschool-Punk nannte man so was vor noch ein paar Jahren und war dann auf Bands wie GREEN DAY, BLINK 182 und ähnliche fixiert. Diese Zielgruppe dürfte hieran auch den größten Gefallen finden.
Nach dem Debüt ging's dann ordentlich auf Konzertreise, danach wieder ins Studio um den Nachfolger einzuhämmern. Gereifter und nicht mehr ganz so punkig kommt "Rain's 'A Comin'" daher. Das lange Zusammenspiel als Band und auf Tournee hat neue Facetten im Bandsound wachgerüttelt. Hardrock, leichte Country Rock Anleihen, akustische Momente und immer wieder Druck, Druck, Druck. Wer dieses Trio mal live sehen konnte, weiß, welche Energie sie auf der Bühne entfachen. Erstaunlicherweise können sie diese Energie auch auf CD einfangen und durch die Boxen jagen. Bruder Seth lässt an den Drums ein wahres (welch Wortspiel!) Trommelfeuer los, als würde er um sein Leben trommeln. David haut dem Hörer die Riffs um die Ohren bis es raucht, ist sich aber auch nicht bange davor, mal ein kurzes und aufs Wesentliche fixiert Gitarrensolo durch die Boxen zu jagen. Lee Marie malträtiert den Bass, als gäb's was zu gewinnen. Tut es auch! Neue Fans. Meine Wenigkeit hatten sie schon bei ihrem Auftritt auf der letztjährigen Christmas Rocknight in Ennepetal begeistert. So schräg von der Optik, aber so überzeugend was Show und Sound angeht. Textlich geht es der Geschwisterbande darum sein wahres Ich zu finden und seinen Weg zu gehen. Es geht darum, dass es nicht wichtig ist, was die Masse denkt, sondern dass man weiß, dass man irgendwo Menschen hat, auf die man zählen und vertrauen kann. Gute Texte, gute Musik, gute Besserung. So kann der Frühling kommen.
(Quelle: Home of Rock Magazin)

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