Die Stadt Quilmes liegt etwa 20km südlich von Buenos Aires am Rio de la Plata und ist v. a. durch das gleichnamige Bier bekannt. Der Quilmes Atlético Club (QAC) wurde 1887 gegründet und ist somit der älteste Fußballverein in Argentinien. Trotzdem gilt der QAC als Fahrstuhlmannschaft, während unserer Aufnahmen spielte die Mannschaft in der höchsten argentinischen Spielklasse, musste aber letztlich absteigen. Der unbändigen Leidenschaft ihrer Anhängerschaft tat diese sportliche Misere jedoch kaum Abbruch.

Die Fans aus Quilmes nennen sich aufgrund ihrer weltberühmten Bierbrauerei Cerveceros – Bierbrauer. Unser Hauptaugenmerk lag auf dem harten Kern der Fanszene, der sogenannten Barra Brava, am ehesten mit der Hooligan/Ultraszene in Europa zu vergleichen.

In kaum einem anderen Land ist der Fussball so allgegenwärtig, wie in Argentinien. Waren es früher Theater, die die Menschen all ihre Sorgen und Müdigkeit vergessen ließen, ist es heute der Fußball, der regelrecht als Ventil für den immer größeren Druck gerade auf die Unterschichten des Volkes dient. Ob in Deutschland, Afrika, Brasilien oder eben Argentinien.

Doch gerade im Silberland ist das besagte Ventil besonders gut zu spüren, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den reichsten Ländern der Welt gehört hatte und nun durch zahlreiche Regierungswechsel und Wirtschaftskrisen ein so starkes arm-reich Gefälle aufwies, dass man oft schon vom Abrutschen aus der ersten in die dritte Welt sprach.

Es waren die berauschenden Bilder von überglücklichen Fans im Stadion und die Frage, wann wir selbst das letzte mal in unserem Leben einen Moment erlebt haben, der uns so in Ekstase versetzte. Die Frage blieb unbeantwortet und uns war klar, dass wir diese nur beantworten können, wenn wir diese Menschen hautnah erleben.

Durch einen Zufall lernten wir einen der Ultra-Fans kennen, der uns einlud mitzukommen. Wir tranken, redeten, feierten und gewannen so im Endeffekt das Vertrauen der Fans. Der Weg für unsere Reportage war geebnet.

Bei unseren Stadionbesuchen und Treffen mit Fans des Clubs, fiel uns diese unglaubliche Leidenschaft und Loyalität für den Club und den Fußball im Allgemeinen auf, den wir so bisher nirgends auf der Welt gesehen haben. Dazu bemerkten wir, dass die Fans im Stadion nie pfiffen und ihre Mannschaft, auch bei oft schlechten Leistungen, 90 Minuten lang lautstark unterstützten. Auch nach Abpfiff wurde weiter gefeiert. Frauen, Kinder, Arme, Reiche, ruhige und schwer kriminelle Menschen. Alle zusammen feierten ihren Club auf eine unglaubliche Art und Weise.

Das Besondere der Barra und auch der ganzen anderen Fans – aller Cerveceros – ist die bedingungslose Leidenschaft und die hundertprozentige Identifikation mit ihren Farben. Der Verein wird gelebt, geatmet, man feiert, lacht und weint zusammen.

Dieses Gefühl, den Fußball zu leben, obwohl man selber nicht davon profitiert, fanden wir so faszinierend, dass wir uns in unserem Vorhaben nur bestärkt sahen, den Menschen außerhalb Argentiniens die Leidenschaft für diesen ganz besonderen Club anhand unseres Filmes näher bringen zu wollen.

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