Titel: Koi & Kröte
Länge:1 min. 30
HD, Farbe, 3ds Max, After Effects.
Idee | Animation | Ton: Zhenya Li
Special Thanks to: Bettina Blumenberg, Alfred Altenburger
Sep. 2011, München
Verortet man den Koi in der asiatischen Welt, findet man die Kröte eher in den europäischen Biotopen. Steht der Koi für Wohlstand, Luxus, Schönheit, sogar Glück, und dient er, völlig denaturiert, der Zierde (wird zu utopischen Preisen gehandelt), gehört die Kröte eher in den Bereich des Naturbelassenen, aber auch des Häßlichen, wenn nicht Lästigen. Zwei Unvereinbare also: Koi und Kröte passen einfach nicht zusammen, möchte man sagen. Aber weit gefehlt: in dieser aus der Tradition der chinesischen Tuschzeichnung schöpfenden Animation macht sich eine Kröte an den größten und schönsten Koi im Teich heran und setzt sich in inniger Umklammerung auf ihn. Fressen und Gefressenwerden sind hier nicht thematisch. Was also will sie von ihm? Ist sie in ihn vernarrt und auf Kopulation aus? Dafür hat die Natur in diesem Fall kein Equipment vorgesehen. Erste Lösung, die von der Künstlerin angeboten wird: die Kröte lässt frustriert vom Objekt ihrer Begierde ab. Zweite Lösung: sie verharrt in der Umarmung, die eher Umklammerung ist, bis der Koi, von ihren Körpergiften zugrunde gerichtet, verendet. Eine große Metapher des Andersseins, eine Allegorie auf Anziehung und Abstoßung innerhalb kultureller Differenz. Ähnlichkeiten mit Menschenwesen nicht ausgeschlossen.
Text von Bettina Blumenberg