Dokumentarfilm, 90 Min.
Regie: Dörte Franke und Marc Bauder
„Du hast keine Chance, also nutze sie!“ So in etwa lässt sich das Kräfteverhältnis damals im Dezember 1989 in Ost-Berlin beschreiben. Auf der einen Seite ein verzweifelt sich an die Macht klammernder Staatsapparat, die NVA, Kampfgruppen, ein unübersehbares Heer an Stasi-Mitarbeitern und nicht zu vergessen, die sowjetischen Streitkräfte, von denen niemand genau wusste, wie sie reagieren würden. Auf der anderen Seite ein Haufen zersplitterter Oppositionsgruppen vom Neuen Forum bis zum Demokratischen Aufbruch – Schätzungen gehen von 600 Aktivisten aus – und ein Volk, das gerade anfing, sich als ein solches überhaupt zu begreifen. Am Runden Tisch saßen sich erstmals Vertreter beider Seiten gegenüber.
Anhand bislang unveröffentlichten Materials kann man in diesem Film von Dörte Franke und Marc Bauder erleben, wie um jedes Wort, um jeden Zentimeter Macht gerungen wurde. Ging es doch um nichts Geringeres als die grundsätzliche politische Legitimation, das Gewaltmonopol
des Staates und das Amt für Nationale Sicherheit. Wenn es eine Chance für einen „dritten Weg“ gegeben hätte, wie ihn die Oppositionsgruppen erhofften, dann hätte man eine eigene Verfassung durchsetzen müssen. Ulrike Poppe, damals Demokratie Jetzt!, Markus Meckel,
SPD, und Reinhart Schult vom Neuen Forum reflektieren dieses vier Monate währende Machtvakuum als einen Zeitraum, in dem Utopien zum Greifen nahe waren. (DOK Leipzig 2010)