Schon die "Pet Shop Boys" besangen es 1986 in ihrem gleichnamigen Top-Ten-Hit: das wahre Amerika namens "Suburbia". Abweichend vom durch Film und Musik geprägten Großstadtmythos, lebt die Mehrheit der US-Amerikaner letztlich doch in der Vorstadt. Dennoch ist gerade sie der Ort, an dem "Mrs.Robinson" ihren minderjährigen Schüler verführt, und damit den Stoff für nicht nur einen Hollywood-Blockbuster liefert. Schon viele Künstler und Autoren haben sich mit dieser vermeintlich idyllischen Lebenswelt beschäftigt, die viel Ambivalenz bereithält und sich hervorragend als Bühne für gruseligste Szenen anbietet. So blickte beispielsweise auch der amerikanische Schriftsteller Richard Yates in seinen Romanen hinter die Fassade der heilen Welt der suburbs. Nicht zuletzt Jeff Koons treibt die Auseinandersetzung damit - scheinbar leichtfüssig und sehr erfolgreich - auf einen nativen Gipfel, der eben nur hier so beeindruckend in den Himmel wachsen kann und global wahrgenommen wird. Andreas Amrheins Faszination für diesen Aspekt hat sich über Jahre manifestiert. Besonders eindrucksvoll gelingt es ihm, eine typische Erscheinungsform der amerikanischen Kultur scharfzuzeichnen, und zwar den Kitsch. Etymologisch ist der Begriff "Kitsch" zwar ein Importartikel, aber kaum irgendwo wirkt er authentischer als hier im Angesicht brüllend bunter Leuchtreklame, flugzeughangargrosser Galerien für Acrylbronzeskulpturen, bis hin zu einer redundanzlastigen Selbstanpreisung. Unterm Strich ein Mekka für Andreas Amrhein. Viel auf Reisen, lässt er sich von allen möglichen Bildmotiven, Zeitschriften und Kunstgegenständen inspirieren. Überraschenderweise sind es aber auch Porzellanfiguren, die auf ihn eine besondere Faszination ausüben. Diese, sagt er, sind an jedem Ort der Welt, und zu jeder Zeit zu finden. Für ihn transportieren sie viel Typisches der jeweiligen Region, aus der sie kommen. Zunächst in einem Scrapbook festgehalten, finden die diversen Eindrücke wenig später Einzug in seine facettenreichen Bilderzählungen. Als meisterlicher Zeichner bringt Amrhein flüchtig wirkende Landschaftsskizzen, detailgetreue Zeichnungen berühmter Comicfiguren und realistisch gemalte Porzellanplastiken auf ein und derselben Bildfläche zusammen - ohne dass diese je überladen wirkt. Die unglaubliche Perfektion der künstlerischen Umsetzung des Walter-Stöhrer-Schülers lässt im Sujet etwas Apologetisches aufscheinen, das aber regelmässig mit konterkarierendem Witz gebrochen wird. Text: Galerie Borchardt: galerie-borchardt.de/Aktuell/aktuell/aktuell.html (15.9.2011).

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