VERRÜCKTES BLUT
Von Nurkan Erpulat und Jens Hillje
Regie: Nurkan Erpulat
Bühne und Kostüm: Magda Willi
Licht: Hans Leser
Musikalische Leitung: Tobias Schwencke
Dramaturgie: Jens Hillje
Mit: Sesede Terziyan, Nora Abdel-Maksoud, Hassan Akkouch, Tamer Arslan, Murat Dikenci, Pınar Erincin, Adrian Saidi, Paul Wollin
Produktionsleitung: Kathi Bonjour, Çağla Ilk
Maske: Semra Kader, Adriana Metzlaff
Regieassistenz: Paulina Papenfuß
Dramaturgieassistenz: Nora Haakh
Assistenz Bühne und Kostüm: Kathi Bonjour
Junge Männer mit Hintergrund versetzen neuerdings die deutsche Gesellschaft im alltäglichen Endkampf um die abendländische Zivilisation in Angst und Schrecken. Ihr Hintergrund ist meist ein migrantischer oder muslimischer oder bildungsferner. Manchmal treibt diese Angst auch Wurzeln, die sind dann vorzugsweise türkisch oder arabisch. Dann zwingen diese jungen Männer ihre Frauen Kopftuch zu tragen, und statt sich zu bilden und zu arbeiten zeugen die Integrationsverweigerer auch noch ununterbrochen weitere neue Kopftuchmädchen. Soweit die gängigen Klischees in der gegenwärtigen „Islamdebatte“. Die einzige Hoffnung auf Rettung vor dem Untergang richtet sich nun auf die gute alte deutsche Schule, also: Bildung, Bildung, Bildung!!!
Eine der Lehrerinnen, auf denen die letzte Hoffnung der Nation ruht, bekommt eines Tages eine einzigartige Chance: Sie versucht ihren disziplinlosen Schülern mit Migrationshintergrund gerade Friedrich Schiller und seine idealistischen Vorstellungen vom Menschen nahe zu bringen, als ihr eine Pistole in die Hände fällt, eine echte. Kurz zögert sie, dann nimmt sie ihre Schüler als Geiseln und zwingt sie mit vorgehaltener Waffe, auf die Schulbühne zu treten und zu spielen. Denn allein Theater kann die Welt noch retten und heilen.
Mit dieser Geiselnahme hebt nun nicht nur ein abgründiger Tanz der Genres vom Thriller über die Komödie zum Melodrama an, sondern auch die lustvolle Dekonstruktion aller vermeintlich klaren Identitäten.
Ein Projekt von Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße in Koproduktion mit der Ruhrtriennale. Aufführungsrechte Pegasus GmbH Theater und Medienverlag, 2010.
Aufzeichnung vom Oktober 2011 im Ballhaus Naunynstraße