Politiker sind für die meisten Bürger weit weg. Nicht greifbar, abgehoben. Die typische Homepage des Politikers ist glattgebügelt, fast ohne private Angaben (von verheiratet, drei Kinder mal abgesehen).
Als Lehrerin war ich durchaus schon Angriffen aufgrund meiner Tweets und Blogartikel ausgesetzt. Man erinnere sich an den Tweet, der es angeblich bis zur Bayrischen Schulbehörde geschafft haben soll: "Manchmal habe ich so absurde Gedanken: Ich glaube, ich hatte noch nie auf einer Zugtoilette Sex." Ich schrieb das auf dem Rückweg vom Educamp, meine ich. Angeblich würde man dafür in Bayern mit mir "kurzen Prozess" machen.
Lehrer dürfen nicht privat sein im Netz? Wie ist das nun mit Politikern? Wollen die Menschen eher authentische Darstellungen mit allen Schwächen und Emotionen oder macht man sich damit unnötig?) angreifbar.
Die Meinungen dazu gehen stark auseinander: Was manche Menschen schätzen, sehen andere als Schwäche. Wie gehen Medien damit um?
Am 27.8. habe ich (übrigens durchaus nach ein wenig Grübeln) öffentlich getwittert:
"So: Allen einen lieben Dank, die wegen des gerissenen Kondoms mitgezittert hatten: Alle
Tests sind negativ! (Also HIV, Hep. B, Hep. C)"
Und:
"Und liebe Kinder: Nicht nachmachen! Nicht mit irgendwelchen Typen ins Bett gehen, die
niemand einschätzen kann. Die Panik braucht niemand."
1,5 Tage später bekam ich eine Mail von Peter Poensgen von der BILD, der mit mir unter anderem über Vorbildfunktion sprechen und meine "Argumente" hören wollte. Ich reagierte darauf nicht, sondern twitterte:
"Ich soll mit der #bild über Vorbildfunktion reden? Das ist ja schon im Ansatz absurd."
(Immerhin hat die BILD den Tweet mitgedruckt.) Diverse Presseerzeugnisse sind auf den Zug aufgesprungen, zumeist natürlich mit der entsprechenden Wortwahl (Bsp. "obszön" bei der Rheinischen Post). Andere Medienvertreter (Herr Oppers, Rheinische Zeitung) waren überzeugt, das sei Absicht gewesen, um in die Zeitung zu kommen (Podium zu sozialen Netzen bei der Akademie Montcentis am 31.08.).
Was jetzt schon klar ist: Es gibt einen Bruch zwischen der Reaktion im Netz (Solidarität bei Twitter mit #wirsindrya und diverse unterschiedliche Reaktionen von Journalisten (privat), in Mails, im Landtag und von Bekannten etc.) Und es gibt viel Unsicherheit....