Boris Charmatz: enfant
Musée de la danse — 9 Tänzer, 3 Maschinen und 17 Kinder

›Kind‹ heißt das gefeierte Tanzstück des französischen Choreografen Boris Charmatz. Mit diesem Stück über das Erwachen der Kindheit ist ihm ein großer Wurf gelungen, der mit einem unheimlichen Maschinenballett beginnt und fast ausgelassen endet. Kinder rennen, zucken, singen, springen und toben. Und katapultieren sich damit aus einem schaurigschönen Experiment, in dem Zärtlichkeit und Hingabe, Ohnmacht und Unterwerfung gefährlich nah beieinander liegen. Fast unmerklich übernehmen sie die Macht - die Macht über sich selbst, über die Erwachsenen, die sie in Bewegung versetzen, und über die Zuschauer, die dazu eingeladen sind, wieder zu Kindern zu werden.

enfant gehört zu den intensivsten, aufwühlendsten Tanzstücken des 21. Jahrhunderts. Die Uraufführung geriet zum Höhepunkt des Festival d'Avignon 2011. Mal lärmend, mal lautlos, unkommentiert und schonungslos zwingt es den Blick auf unser Verhältnis zum Wesen des Kindes. Was, fragt Charmatz, ist aus unserem Blick auf Kinder geworden?

zum Workshop: links
»Lieber als mit Kindern ein Kunstwerk zu machen, möchte ich sie einladen: Zu einem Workshop über Bewegungslosigkeit, der den Blick auf unsere Idee von Kindheit lenken soll, auf die Probleme, auf die Spannungsverhältnisse, denen Kinder ausgesetzt und für die sie zugleich oft die Auslöser sind. Während der Proben zu enfant haben mir die Kinder oft von Cowboys und Indianern erzählt, von den Tänzen der Indianer rund um die gefesselten Cowboys. Heute wissen wir, dass die Indianer den Kampf verloren haben. Und doch sind sie es, an die wir denken: Hommage an diejenigen, die sich nicht mehr bewegen.« (Boris Charmatz)

Im Rahmen von No Education trifft der französische Tänzer und Choreograf Boris Charmatz in einem Workshop im Museum Folkwang vom 20. bis 24. August auf eine Gruppe von Kindern aus dem Ruhrgebiet. links entsteht im Kontext der Live Art-Ausstellung 12 Rooms.

Die Arbeiten von Boris Charmatz bewegen sich immer wieder in der Nähe der bildenden Kunst und Philosophie. So war es nur konsequent, dass der 39-jährige Franzose, als er 2009 die künstlerische Leitung des Centre chorégraphique national de Rennes et de Bretagne übernimmt, das Haus zu einem ›Museum für Tanz‹ erklärt. Regelmäßig treffen sich dort seitdem zeitgenössische Künstler und Denker aller Disziplinen, um gemeinsam an neuen Formen und Formaten zu arbeiten. Das Musée de la danse ist heute ›museum in progress‹, Plattform und Impulsgeber für neue Entwicklungen der internationalen Tanzszene.

Thierry Micouin studierte Medizin, bevor er sich dem zeitgenössischen Tanz zuwandte. In Zusammenarbeit mit dem Musée de la danse entstand das Schulprojekt Petit Musée de la danse. Thierry Micouin ist Tänzer in den beiden jüngsten Stücken von Boris Charmatz, Levée des conflits und enfant.

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