Zur Ausstellung von Marisa Herrmann am 29. Oktober 2013

Kleider, Katzen und Kinder mit Karren, Krücken und Krawatten erküren scharf, sinnig und spröde die geschichts- und gesichtslose Gegenwartskunst des 21. Jahrhunderts. Ich zittere aus Marisa Herrmanns 48 Seiten langer Graphik Novelle "Systemwechsel": "Das Leben ist Chaos. Ich muss alles ordnen". Im "Systemwechsel" werden Studenten nach Farben und Größe sortiert. Sie haben keine Zeit, aber auch keinen Willen, sich dagegen zu stammen, vor allem aber, sie haben keine Zeit zu studieren. Sie müssen funktionieren. Sie müssen sich einpassen. Sie sind ein Teil des Systems und darüber sollen sie bloß nicht grübeln. Sie sollen einfach alles machen, wie es ihnen vorgeschrieben wird. In der Graphik Novelle "Systemwechsel" setzt sich die Autorin und Zeichnerin Marisa Herrmann mit ihrem Studium auseinander. Die beschriebenen Erfahrungen sind eine Zumutung, die nicht zur Erkenntnis des Wissens führen. Gut, das Marisa ein Aufbaustudium in meiner Klasse an der HfG Offenbach begann und mit großem Erfolg bestand. Ihre Graphik Novelle stecht als eine zeichnerische Rarität unter denen ihrer Kommilitonen. An dieser Stelle möchte ich Marisa fachmännisch loben und ihr Mut machen, weiter zu machen, genauso zu machen, episch zu zeichnen, nicht anbiedern, aneckend, schief, kritisch, systematisch vorankommend. Ich wünsche Marisa und den Besuchern ihrer Ausstellung einen Abend, an dem sie sich bitte Geschichten von eckigen, karierten Tischdecken und Kissen gestehen. Ich wünsche mir, wenn sie heimkehren in der Nacht, rückten sie ihre Möbel paar Grad aus den Winkeln. Dann merkten sie, dass das der erste Schritt zur Freiheit ist. Sie kommt am Morgen. In euren Köpfen. Lasst sie rein. Alle Gute. Professor Mariola Brillowska, Freie Künstlerin

Loading more stuff…

Hmm…it looks like things are taking a while to load. Try again?

Loading videos…