Zuerst wurde das Tier geschaffen, dann erst kam der Mensch. Das „Altersprivileg“ kompensierte er durch das „Bezeichnungsprivileg“, sein Spätkommen bedeutete: „das Frühergeschaffene beobachten und angemessen benennen können“. (Peter Sloterdijk) Ein notorisch Spätkommender wird der Mensch bleiben, darüber soll die biblische Überlieferung nicht hinwegtäuschen. Denn zu sich kommt er erst dann, wenn er zur Sprache gekommen ist, stets klafft im Individuum die ungeheuerliche Lücke des vorsprachlichen Lebens.

Wenn Deborah Sengl die mit der sprachlichen Begabung einhergehende metasprachliche Fähigkeit einsetzt, um ein neues Wort zu kreieren, verweist sie darauf, dass die Sprache, die man vorfindet, viele Phänomene eher verschleiert, als sie zu enthüllen. In der Wortschöpfung „ertarnen“, mit der die meisten ihrer Werke betitelt sind, bündeln sich die zentralen Themen ihres Schaffens: Mensch, Tier, Tarnung und Züchtung. Die Künstlerin zeigt in ihren Malereien, Zeichnungen und Skulpturen aus Tierpräparaten Zwitterwesen: Menschliche Körper, denen Tierköpfe aufgesetzt sind; Tiere, die sich als ihre Beute tarnen, oder auch als ihre Jäger; Frauenfiguren, deren Körper mit Mode-Logos bedeckt sind; maskierte Gesichter. Die mannigfalten Variationen der Täuschung, die die Natur – meist zum Selbstschutz – bereithält, werden in ihren Arbeiten leicht verrückt, Vorstellungen von Hierarchien, Machtverhältnissen, Opfer-Täter-Beziehungen dadurch irritiert. Es geht um den Kampf ums Dasein, der auch das Vorgeben-Müssen, um bestehen zu können, impliziert.

Ein CastYourArt Künstlerporträt. | castyourart.com

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