Die Grenze zwischen Natur und Kultur ist eine tektonische Bruchlinie des menschlichen Selbstverständnisses. Wenn beispielsweise der Humanismus das Tier im Menschen zu zähmen sucht, kann das als eine kulturgeschichtlich tektonische Schutzmaßnahme verstanden werden. Versucht sich der Mensch allzu schöpferisch an der Natur, geraten mitunter die Fundamente der einen oder anderen Seite aneinander. Die Erschütterung kann dann so groß sein, dass sie einen Berg Fragen aufwirft. Oft sind unheimliche Fragen dabei, solche, die uns zwingen den Begriff des Menschlichen neu auszuloten.

Die Ausstellung “Natur – Die Schöpfung ist nicht vollendet” im Stift Admont befasst sich mit den Grenzen und Entgrenzungen von Natur und Kultur. Jedoch bleiben die künstlerischen Blickrichtungen dabei nicht auf die Erdbebenlinie beschränkt. Statt im Prekären der Grenze zu erstarren wird eine Vielzahl unterschiedlicher Präsentationen von Natur ersichtlich. Der künstlerisch schöpferische Umgang ist verspielter.

In den gezeigten Arbeiten ist Natur sowohl Thema, wenn beispielsweise Christoph Lingg brachliegende Industriefeldern als die Hinterhöfe unserer Wohlstandsgesellschaft zeigt oder Gabriele Schöne sich in ihren Gemälden mit dem Verschwinden von Natur auseinandersetzt. Natur wird in der Ausstellung jedoch auch als belebtes Trägermedium künstlerischen Ausdrucks bedacht. In den Fotografien Edgar Lissels entstanden Motive aufgrund der fototaktischen Eigenschaft von Cyanobakterien zum Licht zu streben. Wilhelm Scherübls Aquarelle funktionieren mit den Mechanismen von Eisblumen. Thomas Baumann lässt mit seiner Installation über den Zeitraum der Ausstellung einen künstlichen Eisberg entstehen.

Ein Ausstellungsporträt von CastYourArt. | castyourart.com

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