Deutsche Erstaufführung am 18. Oktober 2013 in der Theaterkapelle, Berlin

Wo bin ich, ich weiß es nicht, ich werde es nie wissen. In der Stille weißt du nicht, wohin du gehen solltst. Auch wenn ich nicht vorwärts gehen kann: ich werde gehen.

Lucky und Pozzo sind zwei Vagabunden, die durch ein unlösbares Band verbunden sind: einem Seil, das Pozzo in den Händen hält und das sich wie eine Schlinge um den Hals von Lucky legt.

Lucky ist eine Art Lasttier, das sein Herr durch die Einöden dieser Welt schleppt und das von den Abfällen lebt, die Pozzo ihm hinwirft. Aber ihre Verbindung ist mehr als nur materiell. Anscheinend ist Pozzo auch derjenige, der führt. Er befiehlt, äußert seine Gedanken und wird wie ein Kaiser behandelt. Lucky hingegen ist derjenige, der gehorcht, der nur unter Pozzos Anleitung etwas tut. Lucky ist ein knuk, eine moderne Version des mittelalterlichen Narrs, ein Knecht, der nur nützlich ist, um seinem eigenen Herren zu dienen.

In dieser Fassung aber ändern sich die Rollen nach und nach: die Wurzeln und ihrer Beziehung tauchen auf, Abgründe werden sichtbar und es wird immer klarer, dass der eigentliche Motor des Paares und der Beziehung Lucky ist. Er entscheidet beherrscht zu werden, er setzt Pozzo freiwillig in die Herrenrolle. Aber warum tut Lucky so etwas? Aus Trägheit, Faulheit, Listigkeit? Um sich damit abzufinden, was man schon weiß, auch wenn das ekelhaft und mühsam ist, anstatt etwas Neues zu riskieren, die Rollen umzukehren, Auswege zu suchen? Es scheint besser in der Trägheit des Gefestigten und Bekannten zu leben, als vom eigenen Inneren heraus den zwiespältigen Fluss des Lebens zu erkennen.

Aus Warten auf Godot von Beckett entnommen, auf die Straße gesetzt und in die Theater gebracht, ständig ihrem Weg folgend, und von ihren Freunden Vladimir und Estragon verlassen sind Lucky und Pozzo die beiden Charaktere, die keinen Autor suchen sondern ein Ziel. Dieses Ziel ist kein einfacher Ort. Es ist der Höhepunkt von etwas, das es schaffen kann, den zermürbenden zyklischen Ablauf ihrer Reise zu unterbrechen.

Die lustlose Suche ist vergeblich, ganz weit weg, weil nur erträumt, nie wirklich gewollt. Der Text und die Rollen werden manipuliert, verdreht und auch verraten. Trotzdem: Was im Verlauf der Zeit konstant bleibt, ist die Willenlosigkeit ihrer Wallfahrt, die Unfähigkeit eine Bedeutung ihrer Suche zu finden und gleichzeitig die Unmöglichkeit auf sie zu verzichten. Eine politische Theateraufführung über Macht. Die Macht der Trägheit.

“Versuch noch mal. Irr dich noch mal. Irr dich besser.” S. Beckett

Deutsche Bearbeitung 2012 - 2013 und Deutsche Erstaufführung 2013 von lunaelaltro_theater

nach der Version von Teatro Rebis (2006) unter der Regie & Dramaturgie von Andrea Fazzini

Licht Design: Marcello D’Agostino in Zusammenarbeit mit Mario Barzaghi

Schauspiel, Requisiten, Kostüme: Lorenzo und Silvia Pennacchietti

Produktionsleitung: Chris Wohlrab

Mit der Unterstützung von Theaterhaus Berlin Mitte

lunaelaltrotheater.de

facebook.com/pages/Lunaelaltro_theater/667666469952795?ref=hl

Loading more stuff…

Hmm…it looks like things are taking a while to load. Try again?

Loading videos…