Über 2000 Gäste sind am Wochenende vom 23.-25.Mai zum Zollhafen gepilgert, um das zweite Reflecta Rethink Your World Filmfestival in Mainz zu besuchen. Neben Filmen und Debatten lockte die Gäste vor allem das Mitmachprogramm, das es auf dem großen Außengelände am Zollhafen zu entdecken gab: Die Gäste reparierten ihre Fahrräder beim Bike Kitchen und nahmen am Skatecontest von asphaltinstrumente teil. Sie nähten aus ungeliebten Stücken neue Kleidung bei Zur Anprobe, stellten bei Hong and Friends T-Shirts mit Siebdruck aus biologischen Farben her und konnten im „Theater der 13 Sinne“ ihre Sinne ganz neu erleben. Besonderen Anklang fand auch der Green-City-Stand, an dem die Besucher nicht nur den Green City Guide erstehen, sondern auch ihren ökologischen Fußabdruck berechnen konnten. Für musikalische Unterhaltung am Nachmittag sorgten Dreimillionen und La Route du Bonheur.

Im 7° drängten sich die Gäste derweil bis zu den Türen, um die spannenden Dokumentationen und Debatten mitzuverfolgen. Nach dem schockierenden Film Work Hard Play Hard am Samstag, ging es im Anschluss um die Frage, ob Arbeit krank macht und ob Burnout ein individuelles oder ein gesellschaftliches Phänomen ist. Die Soziologin Greta Wagner will Burnout als gesellschaftliches Problem verstanden wissen, da nur so die politische Schlagkraft deutlich werde: Die krank machenden Mechanismen der modernen Arbeitswelt gehen uns alle an. Stimmen aus dem Publikum forderten vor allem, dass die Entscheider auf Führungsebene stärker in die Verantwortung gezogen werden. Der in der Erwachsenenbildung tätige Referent Daniel Göcht plädierte dafür, dass die Arbeitnehmer ihre Gestaltungsmöglichkeiten wahrnehmen und lernen, die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und der Vorgaben des Arbeitsgebers eigenständig zu hinterfragen. Nach all dem Debattieren bot der Mainzer Rapper form/prim ein Stück aus seinem neuen Album „Es gibt ein richtiges Leben im falschen: meins“ dar, bevor Bender & Schillinger für Gänsehautstimmung im Publikum sorgten: wort- und klanggewaltig und mit drei Zugaben, ein großartiger Abschluss des zweiten Festivaltags!

Nach einem gemütlichen Sonntagsfrühstück und dem konsumkritischen Stadtrundgang „Meenz global“, wurde am Sonntagnachmittag zum Thema „Nachhaltiger Konsum“ kontrovers weiter diskutiert: Ob Restauration, ökologische Produktion oder ein Leben ohne Geld, in der Debatte wurde deutlich, dass alle Mitdiskutanten nach Alternativen zu dem derzeitigen wachstumsorientierten Wirtschaftsmodell suchen – und dabei ganz unterschiedliche Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit finden. Wie unterschiedlich alternative Lebensmodelle sein können, zeigte im Anschluss auch die beeindruckende Dokumentation Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, die die Brücke zur Ausgangsfrage des Festivals schlug: Wie wollen wir arbeiten, denken, leben?

Wer nach all dem Diskutieren, Hinterfragen und Mitdenken den Kopf ausschalten wollte, konnte sich im Anschluss beim Abschlusskonzert von Aaden entspannt zurücklehnen und sich von den wunderschönen akustischen Klängen in seinen Bann ziehen lassen. Das fand auch das Publikum, das den zu unrecht noch etwas unbekannten Musiker jubelnd verabschiedete.

Sarah Schmidt für Reflecta

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