Was ist ein Foto? Wo liegen die Grenzen der Fotografie, zwischen Foto und Video? Welchen Einfluss haben die technischen Produktionsbedingungen, welchen das Trägermedium? Was kann mit Manipulation erreicht werden?

Das sind die Fragen mit denen sich unsere Ausstellung "objektiv" auseinandersetzt.

Cerith Wyn Evans geht in seinem Wandtext auf die Interpretation des Unerklärlichen ein. Es ist nicht immer die große Unbekannte. Ursachen können ganz einfach auch Unzulänglichkeiten sein.

Wolfgang Tillmans dreht den Spieß um. Seine Saros Wand greift Aspekte einer Sonnenfinsternis auf. Allerdings geht es nicht um die reine Dokumentation, vielmehr bleibt bewusst unklar, welche der Aufnahmen tatsächlich bei dem Naturereignis entstanden sind, und was Fake ist.

Bei den anderen Tillmans-Arbeiten wird der Fehler sogar zur Ikone erhoben. Bei diesen frühen Fotos handelt es sich um Fehlbelichtungen die zu ganz eigenen Ergebnissen führen. Die Einmaligkeit solcher Fehler führt natürlich dazu, dass ein Foto, von dem es normalerweise eine Auflage gibt, zum Unikat wird.

"Violetta" von David Claerbout scheint sich nicht zu bewegen. Ist es ein Video-Still? Bei längerer Beobachtung stellt man fest, dass sich Violettas Haare ein wenig bewegen - entweder weil man es sieht oder weil es am eigenen Körper erfährt.

Das eingefrorene Video-Bild wurde von Andy Warhol bereits in den 60er Jahren in den Mittelpunkt einer Arbeit gestellt. Er filmte das Empire State Building über mehrere Stunden hinweg. Douglas Gordon hat nun wiederum Anfang und Ende einer Vorführung dieses Warhol Films in Berlin aufgenommen, allerdings wird bei ihm daraus bewusst eine unvollkommene Kopie, bei der die Produktionsbedingungen deutliche Spuren hinterlassen haben.

Morgan Fisher hat für seine "Italian Paintings" Reiseführer auf Standard Kodak Fotopapier gelegt. Die durch die Sonne entstehende Belichtung führte auf dem Papier zu einer Form, die später in Shaped Canvas Malerei umgesetzt wurde.

Die andere Werkgruppe von Morgan Fisher besteht aus durchgepausten Kodak-Anzeigen die in Fotomagazinen erschienen sind. Es handelt sich also um die Übertragung von Anzeigen, die sich mit der Entstehung von Fotos auseinandersetzen, in ein vllig anderes Medium: die Zeichnung.

Christopher Williams hat eines seiner wichtigsten "Foto"-Motive, die Kiev Camera in ein Plakat übersetzt und dabei die beweglichen Teile ausgespart. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Rückseite des Plakates. Was liegt näher als die "Doppel-Edition" auf beiden Seiten einer freistehenden Wand so positionieren, dass sich die Aussparungen gegenüberliegen?

Jeroen de Rijke und Willem de Rooij haben eines ihrer Blumenbouquets in schwarz/weiß abfotografiert und die Blüten anschließend nach der Helligkeit sortiert.

Karthik Pandian und Mathias Poledna filmten ein Model mit einer professionellen 35mm-Kamera, sie isolierten die einzelnen Frames einer Sekunde dieses Filmes, um diese dann wie ein Dias zu behandeln. An jedem Ausstellungstag wird immer nur ein Frame gezeigt. Erst nach 24 Tagen ist die Sekunde verstrichen.

Das Motiv der Einladung, eine Edition von Cerith Wyn Evans lässt letztlich vollkommen offen, was sie darstellt und wie sie entstanden ist, obwohl sie ganz offensichtlich nicht manipuliert wurde.

Axel Haubrok
(Pressetext Sammlung Haubrok, URL: sammlung-haubrok.de/shows/objektiv/press.php, 17.11.2011)

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