Spiegel und Metapher menschlichen Lebens: Die Violinpartiten von Johann Sebastian Bach gelten als Archetypen musikalischer Solostücke - sie faszinieren vor allem durch die Gleichzeitigkeit formaler Strenge und ungeheurer Emotionalität, in denen Zustände innerer Zerrissenheit und physischer Erschöpfung mit lichten Momenten großer Klarheit und erfüllender Sehnsucht abwechseln. Für den Interpreten bedeutet das, genau dieses Spannungsfeld füllen zu müssen: Die Verdeutlichung der musikalischen Strukturen unter höchsten spieltechnischen Anforderungen - bei gleichzeitiger Darstellung emotionaler Ausnahmezustände. "Inside Partita" in der Elisabethkirche Berlin spiegelt diese Pole in einem außergewöhnlichen Setting wider und führt drei unterschiedliche Künstler zu einem Versuch einer neuen Deutung der Bach'schen Partiten zusammen. In einer Mischung aus choreographischem Konzert und interaktiver Klanginstallation treten die gefeierte Barockgeigerin Midori Seiler, die Tänzerin und Choreographin Renate Graziadei sowie Fabian Russ, dessen Komposition Originalmusik mit manipulierten Sequenzen und Samples verbindet, in einen künstlerischen Dialog. "Inside Partita" ist eine musikalische Introspektion, ein außergewöhnlicher Musiktheaterabend, der Bach ins Heute übersetzt.

Bühne und Zuschauerraum sind bei "Inside Partita" eins - Violinistin, Tänzerin und das Publikum befinden sich inmitten eines von Stativen flankierten Kreises. Live gespielte Musik, verstärkter und manipulierter Originalklang sowie vorproduzierte Kompositionssequenzen überschneiden sich. Zehn Lautsprecher ermöglichen es dem Komponisten, Klänge entweder gleichermaßen stark im Raum zu verteilen oder um die Zuhörer herum kreisen zu lassen und damit manipulierend in das Geschehen einzugreifen. Eine eigens programmierte Software ermöglicht dabei eine freie und spontane Verteilung der elektronischen Klänge innerhalb der zehnkanaligen Installation. Während der Aufführung wird der Raum durch das Zusammenspiel zwischen Tänzerin und Geigerin immer wieder neu definiert, es entstehen im wahrsten Sinne des Wortes "Spielräume" im Publikum. Performer und Besucher werden auf diese Weise in der Interaktion zu einer Art lebendigem musikalischen Organismus, der im ständigen Wechsel begriffen ist.

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