1. Es gibt immer weniger Hausärzte in Deutschland. Besonders auf dem Land gehen viele Ärzte in den Ruhestand, ohne einen Nachfolger für ihre Praxis zu haben. Um mehr Nachwuchs für den Beruf des Landarztes zu begeistern, haben die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, der Verein Oberfranken Offensiv und der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) eine gemeinsame Initiative gestartet: Bereits im Praktischen Jahr sollen Medizinstudierende in einer Landarztpraxis an den Beruf des Hausarztes herangeführt werden. Vorurteilen soll so frühzeitig entgegengewirkt werden.

    Landlust wecken
    Bereits heute finden viele Landärzte keinen Nachfolger mehr, die Versorgung auf dem Land wird immer schlechter. Der Grund: Der Großteil der Studierenden interessiert sich nicht für Allgemeinmedizin. Viel Arbeit und wenig Anerkennung, so bewerten viele Studierende das Dasein als Hausarzt – ein falsches Bild vom Beruf Landarzt, wie Prof. Dr. Thomas Kühlein, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin, sagt: „In Untersuchungen zeigte sich, dass die ideale Vorstellung der Studierenden vom Arztsein eine hohe Deckungsgleichheit mit dem Selbstbild der Landärzte hat. Leider zeigte sich jedoch auch, dass die Studierenden eine andere Vorstellung vom Landarztdasein haben, als die Landärzte es selbst erleben. Es geht also ganz stark darum, falsche Vorstellungen zu korrigieren und Kontakte zwischen Studierenden und Landärzten herzustellen.“

    Ziel der neuen Initiative ist es daher, Medizinstudenten zu motivieren, einen Teil des Praktischen Jahres (PJ) in einer Landarztpraxis zu absolvieren – und ihnen so ein realistisches Bild des Berufs zu vermitteln. Das PJ umfasst die letzten 12 Monate des Medizinstudiums und besteht aus zwei Pflichtmodulen, die die Studierenden in der Chirurgie beziehungsweise in der Inneren Medizin absolvieren, und einem Wahlmodul. Die teilnehmenden Arztpraxen werden im Vorfeld sorgfältig ausgewählt, die Lehrärzte am Lehrstuhl für Allgemeinmedizin geschult. Die Gemeinschaftspraxis Effeltrich ist beispielsweise eine Lehrpraxis der FAU, an der regelmäßig Studierende Blockpraktika, Famulaturen oder einen Teil des PJs absolvieren. Die Initiative, die erst Anfang des Jahres begonnen hat, stößt bereits auf positive Resonanz bei den Studierenden. Zurzeit sind fünf angehende Ärzte auf dem Land tätig, für den nächsten Jahrgang haben sich bereits zehn Studierende angemeldet.

    Die Initiative ist ein Schritt in die richtige Richtung, betont Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml: „Hausärzte sind das Rückgrat unserer ambulanten Versorgung. Sie verkörpern das, was wir uns unter einer menschlichen Medizin vorstellen. Derzeit absolvieren jedoch nur noch 10 Prozent der Ärzte ihre Facharztweiterbildung auf einem Gebiet, das in eine hausärztliche Tätigkeit mündet. Das wird – auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – nicht ausreichen, um den zukünftigen Bedarf zu decken. Unser gemeinsames Ziel, die Stärkung der Hausarztmedizin in Bayern, müssen wir deshalb weiterhin mit Nachdruck verfolgen! Deshalb habe ich das Modellvorhaben der FAU Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit dem Verein Oberfranken Offensiv e. V. und dem Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV) angestoßen. Gerne beteiligt sich das Bayerische Gesundheitsministerium an der Finanzierung des Vorhabens mit 170.000 Euro."

    Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des BHÄV, sieht die Initiative als einen von vielen nötigen Maßnahmen an: „Hausarzt zu sein, ist der schönste Beruf der Welt. Davon wollen wir junge Medizinstudierende überzeugen, denn noch immer schließt allein in Bayern jede Woche eine Hausarztpraxis für immer, weil sich kein Nachfolger findet. Auch dieses Projekt von Oberfranken Offensiv ist ein wichtiger Beitrag, Studierende für den Hausarztberuf zu begeistern. Damit es uns gelingt, die hausarztzentrierte Versorgung nachhaltig in Stadt und Land zu sichern, müssen aber auch die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen passen. Ein wesentlicher Grundstein dafür ist, dass die per Gesetz garantierten Hausarztverträge von allen Krankenkassen partnerschaftlich gelebt werden, damit gerade die jungen Kollegen eine wirtschaftliche Perspektive haben. Außerdem müssen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Im kommenden Versorgungsstärkungsgesetz sollen deshalb auch rein hausärztliche MVZs zugelassen werden. Hausärzte können sich dann freiberuflich, festangestellt oder in Teilzeit miteinander um das Wohl ihrer Patienten kümmern. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

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Bayerischer Hausärzteverband

Torsten Fricke

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