1. 1994 hat mich der Tänzer Arthur Stäldi gefragt, ob ich Lust hatte, aus der Perspektive des Filmemachers ein Tanztheaterstück mit zwei zu allem bereiten Tänzern zu inszenieren. Stäldi hatte sich gerade mit seiner Partnerin Renate Graziadei von der Hamburger Tanztheater-Choreographin Rica Blunk mit ihrer Tanztheaterlegende COAX getrennt um mit dem Projekt GR AS 888 - das "Labor" vor dem Namen kam später hinzu - eigene Wege zu gehen. Er fragte zu dieser Zeit wohl etliche Leute aus allen Sparten und Berufsgruppen, denn das Prinzip, welches hinter GR AS 888 stecken sollte, war dem Tanztheater neue Impulse zu geben, indem man tanzfremde nicht nur an einer Produktion beteiligte, sondern sie das gesamte Stück entwerfen und - soweit dies ohne Erfahrungen in Choreographie möglich ist – auch choreographieren ließ.
    Ich habe mich also hingesetzt und überlegt was denn gerne mit zwei Tänzern im Theater anstellen würde. Meine erste Idee war denn auch schnell "Die Zoogeschichte" von Edward Albee ohne Text umzusetzen. Für mich ging es in dem Stück immer um die allgegenwärtige Einsamkeit, welche uns seit dem Rauswurf aus dem Paradies - dem Zeitpunkt der Differenzierung zwi-
    schen uns und der Welt - auf den Seelen lastet, und um die Unfähigkeit damit umzugehen. Da der Hauptdar- steller Jerry in den Zoo geht um etwas über die Miteinandern von Tieren un- tereinander und Tieren mit den Men- schen zu erfahren fand sich auch schnell der Titel des Stückes: "Etwas über Tiere". Ich schrieb also inner- halb einer Nacht ein erstes Konzept, daß noch als "basierend auf Edward Albees Zoogeschichte untertitelt war. Die Verantwortlichen der Kampna- gelfabrik in Hamburg mochten das Konzept und für ein Budget von
    17.000,- DM sollten wir das Stück für das Nachwuchsfestival "Junge Hunde" auf die Beine stellen.

    Da wir zu diesem Zeitpunkt noch keinen Musiker hatten der uns die Musik
    produzierte, benutzen wir für den Entwurf der Ouvertüre erst einmal Throbbing Gristles "CD1", Da das Stück mit seiner chaotischen Klangcholage sehr treffend den 12 Minuten Abriß der Evolutionsgeschichte von Beziehungen der Ouvertüre untermalte übernahmen wir die Musik ins endgültige Stück. Nachdem ich mit einigen der auf Kampnagel ansässigen Musikern gesprochen hatte wandte ich mich an meinen alten Gitarristen Daniel Lüdke, einem klassischen Gitaristen, der schon meinen dilletantischen Gehversu- chen im Musikbereich einiges an musiktheoretischem Fundament verliehen hatte.

    Als ich ihm erzählte worum es in dem Stück gehen sollte - nämlich um die Unfähigkeite mit Einsamkeit umzugehen - spielte mir Daniel einige melancholische Stücke, die er auf der klassischen Gitarre eingespielt hatte vor. Eines davon wurde schließlich die Musik für den Einlaß. Während sich sie alle hinsetzen spielt es gerade so laut, daß die Unterhaltun- gen unangenehm werden.Für das eigentliche Stück schwebte mir allerding etwas anderes vor. Ich spielte Daniel das Stück der Ouvertüre von Throbbing Gristle vor. Von diesem Punkt aus entwickelten wir "Im Park". und experimentierten ein wenig herum. So nahmen wir z.B. Für "Beziehung"8-Ton-Spuren Abendprogramm aus dem Fernsehen auf. Da "Beziehung" so einfach nur nervig und unstrukturiert war setzte sich Daniel noch einmal

    daran, nahm noch weitere acht Spuren auf, arrangierte sie durch und spielte noch auf einer weitere Spur eine alte Kalimba - ein Urlaubsandenken von irgendeinem Ende dieser Welt. Von da an wußte Daniel in welche Richtung diese Reise gehen sollte und zauberte weitestgehend mit seiner Gitarre und ein ein paar Rhythmuseiern ausgestattet einen der wohl obskursten Gitarrensoundtracks.

    Im ersten Konzept schrieb ich noch vage etwas von Videoprojektionen.("Sie gehen assoziativ auf die Geschehnisse auf der Bühne ein. Die Bilder gehen von Naturaufnahmen, Häuserschluchten, Familienbildern zu Horror- und Pornovideos, die Verschachtelt übereinander Projiziert werden.") Doch je mehr ich darüber nachdachte desto mehr verwarf ich die Idee, denn die Videos hätten eigentlich nur die Funktion gehabt, das Stück in seiner Aussage eindeutig zu machen, den Interpretationsspielraum - der im Theater durch weglassen von Bühnenbild und Requisiten um so vieles freier ist als im Film - wieder zu kastrieren. Letztendlich war diese Freiheit aber genau das, was mich daran gereizt hat Tanztheater zu machen. Kurz, ich fand keinen weiteren sinnvollen Einsatz für diese Videos. Das diese Videos bis zur Generalprobe noch immer Bestandteil des Konzepts waren, ist meiner eigenen Schwäche
    zuzuschreiben. Jeder schien zu erwarten, dass ein Filmemacher mit Videoprojektion und Multimediagedröhne arbeitet (wie die Hamburger Morgenpost in ihrer Rezension auch schön verdeutlichte), Erst bei der Generalprobe entschied ich diese wegzulassen.

    Dies ist ein Mitschnitt der Work In Progress-Aufführung in Bregenz.

    # vimeo.com/111711797 Uploaded 659 Plays 0 Comments
  2. 1994 gab es zwei Gerüchte über das für die Hamburger Filmförderung zuständige Filmbüro.
    Erstens: Um Förderung zu bekommen bräuchte man eine Betroffenheitsgeschichte, die garantiert keinen Zuschauer ins Kino bringt.
    Zweitens: Das Filmbüro wurde von den amerikanischen Mayor-Studios bestochen.
    1995 wurde dem Filmbüro plötzlich die Lizenz zum Fördern entzogen.
    Doch nie wurde über die wahren Hintergründe berichtet.
    Bis Jetzt....

    # vimeo.com/111281005 Uploaded 9 Plays 0 Comments
  3. Von der Filmförderung abgelehnt. Für 3.500,- DM trotzdem gedreht:

    Auf der Suche nach freundschaftlich-väterlicher Anlehnung lernt die 24 jährige, etwas kontaktarme Büroangestellte Corinna Schramm (ULRIKE GROTE, "Der Untergang der Pamir", "Eine öffentliche Affäre") über eine Heiratsanzeige Ewald Eichten (MATTHIAS FUCHS, "Lola", "Der Totmacher", "Das Arche Noah-Prinzip"), 51, einen grundsoliden Verwaltungsoberinspektor kennen. Vom weltmännischen Auftreten Eichtens angezogen, zieht sie zu ihm in einen Hamburger Vorort. Doch schnell stellen sich Zweifel ein: Betrügt er sie mit anderen Frauen? Ist er in ein Verbrechen verwickelt? Und wer ist Vera?

    # vimeo.com/111285027 Uploaded 104 Plays 0 Comments
  4. Der Schlag ist... Leberwurst

    Musikvideo zu dem Kunstprojekt Leberwurst, des Aktionskünstlers "Das HelMuth"...

    War leider kein Hit und hat somit nicht meinen Durchbruch als Musikvideoregisseur gebracht...

    # vimeo.com/111949411 Uploaded 12 Plays 0 Comments
  5. Trailer für das Monatsprogramm welches ich 1995 für die Markthalle in Hamburg produziert habe.
    nach zwanzig Jahren würde das Werbeprogramm jetzt leider eingestellt.

    # vimeo.com/134330992 Uploaded 11 Plays 0 Comments

LBCS

Lutz Bierend

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