IMM BASISLAGER

DEUTSCH
Marc Matter spricht anhand zahlreicher Ton- und Bildbeispiele über Konkrete Poesie und Lautpoesie (oder Poesie Sonore, wie Henri Chopin, Pionier dieses Genres, es nannte) – Sprach-Experimente zwischen experimenteller Literatur, bildender Kunst, abstrakter Grafik und Avantgardemusik, die symptomatisch für die Nachkriegs-Avantgarde stehen.
Konkrete Poesie ist eine radikale Form experimenteller Literatur in Klang und Schrift (bzw. Bild), die spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts praktiziert wird und in der Nachkriegsavantgarde ab Ende der 1950er Jahre voll aufblüht. Verschiedene Künstler und Gruppen greifen u.a. in Paris, Stockholm, Köln, Stuttgart, Brasilien, Italien und in Osteuropa die Avantgarde-Tradition von Dadaismus und Futurismus auf, um unter dem Etikett der Konkreten Poesie eine radikale Abstraktion und mitunter komplette Verweigerung von Sinn und Bedeutung in Sprache und Text zu praktizieren. Akustisch spielen hierbei die menschliche Stimme sowie Tonbandgeräte und Studio-Effekte die Hauptrolle. Im visuellen Bereich werden Buchstaben und typografische Elemente zu Bildern oder abstrakten Mustern montiert - die Einflüsse sind auch heute noch im zeitgenössisch avancierten Grafikdesign oder auch immer wieder in der bildenden Kunst relevant.
In Marc Matters Vortrag wird der Bogen von frühen Beispielen konkreter Poesie Ende des 19. Jahrhunderts über die Blütezeit (Ende 1950er bis MItte der 1970er) bis zu aktuellen Positionen konkreter Poesie gespannt – non-linear, subjektivistisch und modular. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der periodischen Publikation Revue OU liegen, eine vom französischen Querdenker Henri Chopin zwischen 1964 und 1974 herausgegebene Kompilation, welche Kulminationspunkt verschiedener Avantgarde-Strömungen der Nachkriegszeit war. Zu dieser multimedialen Wundertüte, die neben einer Schallplatte jeweils Poster, Siebdrucke oder auch aufwendige Papierbasteleien enthielt, haben neben vielen Anderen auch der Schriftsteller William S. Burroughs, der Musiker John Cage und der Künstler Ben Vautier beigetragen.

Marc Matter ist Gründungsmitglied der Künstlergruppe INSTITUT FUER FEINMOTORIK, die vor allem mit experimentellen Klang-Performances, aber auch durch visuelle Arbeiten, kuratorische Aktivitäten, Workshops und Vorträge in Erscheinung tritt. 2005 erschien das "Feinmotorik Kompendium", ein Künstlerbuch in Form eines Lexikons, Ende 2009 erschien das abstrakte Hörspiel "Radio Imitat" auf CD; eine neue LP mit Musik der Gruppe erscheint in Kürze. Daneben arbeitet er seit einigen Jahren im Düsseldorfer Salon des Amateurs, wo er einen Teil des Programms organisiert. Er war Gastkurator in der Shedhalle Zuerich, hat experimentelle Hörstückee produziert, in einem Wanderkino in der Schweiz gearbeitet, hat sich an Experimentalfilmen und Musikclips versucht, produziert abseitige Clubmusik und improvisiert mit Geräuschmusikern, jobbt als Gelegenheitsgrafiker und Textproduzent, und forscht nebenbei über alle möglichen Randgebiete der Kunst und Kultur des 20. Jahrhunderts.

Dieses BASISLAGER fand am 27. Mai 2009 im Institut Fuer Musik Und Medien in Düsseldorf statt.

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ENGLISH
Marc Matter will be using several audio and visual examples in a lecture on visual & sound poetry - sound experiments and abstract graphics of the postwar avant-garde wich takes it raw material from spoken an written language.
Concrete Poetry with its subdivisions Sound poetry (or Poesie Sonore, as Henri Chopin, pioneer of this genre, called it) and Visual Poetry is a radical form of experimental literature in sound and script (or image), which has been practiced since the start of the 20th century at the latest and has flourished in the postwar avant-garde from the end of the 1950s. Various artists and groups, for example in Paris, Stockholm, Cologne, Stuttgart, Brazil, Italy and Eastern Europe, are seizing the avant-garde tradition of Dadaism and Futurism to practise radical abstraction and occasionally complete denial of sense and meaning in language and text under the label of sound poetry. Acoustically the human voice, tape recorders and studio effects play a main role in this form of art. In the visual field single letters and abstract typographical elements become images or are assembled into abstract patterns - the influences are still relevant today in contemporary advanced graphic design and are also picked up in fine arts within periodical cycles.
In his lecture, Marc Matter will cover the range of early examples of sound poetry from the end of the 19th century to its height (end of 1950s to the middle of the 1970s) until the current position of sound poetry - non-linear, subjectivistic and modular. A main focus is on the periodic publication Revue OU, a compilation published between 1964 and 1974 by the French lateral thinker Henri Chopin, which was the culmination of various avant-garde tendencies in the postwar period. These multimedia goodie bags, which in addition to a record also each contained posters, screenprints or other elaborate paper handicrafts, also had contributions from others including the author William S. Burroughs, the musician John Cage and the artist Ben Vautier.

Marc Matter is founding member of the artists group INSTITUT FUER FEINMOTORIK, which appears predominantly with experimental sound performances but also with visual works, curational activities and lectures. With his group, he published the "Feinmotorik Kompendium" an artists book mocking the form of a dictionary. Alongside this he works at the Salon des Amateurs in Duesseldorf, where he organises a part of the programme. He was guest curator in the Shedhalle in Zurich, has produced experimental radio plays, worked for a travelling cinema in Switzerland, has dabbled in experimental films and music clips, has produced esoteric club music and improvised with sound musicians, jobbed as an occasional graphic artist and text producer and also researched all possible peripheral areas of art and culture in the 20th century.

This BASECAMP took place on 27 May 2009 at Institute For Music And Media in Düsseldorf.

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musikundmedien.net/institut/basislager/

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Institut Fuer Musik Und Medien PRO

Vorträge am IMM

Der Begriff BASISLAGER, im Englischen BASECAMP, assoziiert einen Ort, an dem sich Menschen mit dem Ziel einen Gipfel zu besteigen, aufhalten. Um sich vorzubereiten, Erfahrungen mit Gleichgesinnten auszutauschen und die benötigten Werkzeuge…


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Vorträge am IMM

Der Begriff BASISLAGER, im Englischen BASECAMP, assoziiert einen Ort, an dem sich Menschen mit dem Ziel einen Gipfel zu besteigen, aufhalten. Um sich vorzubereiten, Erfahrungen mit Gleichgesinnten auszutauschen und die benötigten Werkzeuge zu prüfen.

Die perfekte Metapher für die öffentlichen Vorträge am Institut Fuer Musik Und Medien der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf.

Anfänger können Experten befragen. Gleichgesinnte mit ähnlichen Zielen tauschen ihre Erfahrungen aus. Insider-Tipps werden weitergegeben, neue Werkzeuge vorgestellt und ausprobiert, Gefahren erläutert, Leidenschaft geteilt und angefacht, Risiken aufgedeckt, Abenteuer erzählt.

Allerdings: Die Entscheidung zum Gipfel aufzubrechen, und die Erfahrung ihn zu erreichen, kann jeder nur für sich selber machen.

Hier finden Sie die Termine der kommenden Vorträge:
musikundmedien.net/institut/basislager/vortraege/

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