1. Bilder Sehen Arbeitsprobe Judith Haman 2009

    Welche Bedeutung bekommt das Bild "Anbetung der Könige" von 1520, Herkunft unbekannt, in der aktuellen Umgebung?
    Das Original hängt in der Anhaltischen Gemäldesammlung mit 15 weiteren Exponaten in einem Raum von denen 12 aus dem Gotischen Haus Wörlitz stammen, die dann ins Schloß Georgium gewandert sind. Sie hingen seit 1863 dort im Bibliothekszimmer, Esszimmer, im Geistlichen Kabinett sowie in den herrschaftlichen Schlafzimmern, waren Teil des täglichen Lebens der herzöglichen Familie.

    Nun bewahren sie ihre Geschichten im Miteinander in einem Museumsraum. Wenig wissen wir über die Orte, an denen die Bilder Anfang des 16. Jahrhunderts entstanden sind und kaum etwas darüber, wie sie in dieses Herrenhaus gelangten. Eine Reproduktion des Bildes "Anbetung der Könige" hat die Künstlerin Judith Haman im Sommer 2009 in die Situation einer belebten Einkaufsstraße in Hamburg-Altona gebracht, in die Große Bergstraße. Von der Fensterscheibe schaute das Bild "Anbetung der Könige" über Monate hinweg auf die Fußgängerpassage.

    Der Ort von dem aus das Bild schaute ist ein ehemaliges Reisebüro im leerstehenden Frappant Gebäude, dem ersten bundesdeutschen Einkaufszentrum mit Fußgängerzone, das Anfang der siebziger Jahre errichtet worden ist, mit einer großen Karstadt Filiale in dessen Mitte, die seit 2003 leer steht.

    Um "das Frappant" streiten sich seit Jahren KünstlerInnen und EinwohnerInnen mit der Stadt. Sie wollen dort ein großes stadtteilorientiertes Zentrum für Kulturschaffende sowie für nichtkommerzielle Freizeit- und Bildungseinrichtungen zu schaffen. 140 KünstlerInnen haben in dem seit fast 20 Jahren leer stehenden Bürokomplex ihre Ateliers eingerichtet und suchen über regelmäßige Ausstellungen, Veranstaltungen und Festen den Kontakt mit dem Stadtteil und seinen Bewohnerinnen. Die Stadt hat 2010 den Zuschlag einem multinationalen Konzern gegeben: Ikea wird "das Frappant" abreißen und ein Möbelhaus mit vollem Sortiment dort errichten. Das Viertel wird nicht nur während der jahrelangen Bauzeiten im Ausnahmezustand sein. "Anbetung der Könige" im Jahr 2009/10. Das Bild hängt dort nicht, wie der Ausschnitt des an einem sonnigen Mittwochnachmittag aufgenommene Video zeigt, zum Zwecke der Werbung für Düfte, Essenzen oder eine Reise in den Nahen Osten. Es bleibt vielmehr in "seiner Zeit", so, wie die vorbeifahrenden Radfahrer, PassantInnen oder die im Eissalon Sitzenden ihre Zeit erleben. "Anbetung der Könige" damals und heute.

    Die dokumentierende Videoinstallation bringt mit kurzer Rast das Heute in das jahrhundertwährende Miteinander der Museumsexponate und hinterfragt die behauptete, gottgegebene Zeitlosigkeit des 16. Jahrhunderts. Vom 26.3 - 24.10.2010 war die Videoinstallation mit dem Fensterblick in den Park im Anhalt-Raum 4 der Anhaltischen Gemäldegalerie zu sehen.

    Video/Produktion: Skrollan Alwert
    Sound/Musik: Marq Lativ Guther

    Hamburg 2009/2017 @all rights by the artists

    hierunda.de / alwert-film.de

    # vimeo.com/201194574 Uploaded
  2. just in der Zeit
    a short film about eternity

    video/prod: Judith Haman, Heiner Metzger

    Hamburg 2005
    hierunda Verlag

    hierunda.de

    # vimeo.com/115537349 Uploaded
  3. Eine Veranstaltungsreihe im Sommer / Herbst 2008
    veranstaltet von der Blinzelbar, Große Bergstraße 156 - 158, 22767 Hamburg
    hierunda.de/archiv/schonzeit/schonzeit-08.html
    die Installation von Judith Haman und Oliver Zorn
    war vom 20. Juni - 31. Dezember 2008 auf der Großen Bergstraße.

    Texte, Bilder und eine DVD mit dem hier gezeigten Video sind als Dokumentation
    erhältlich beim HYPERZINE Verlag: hyperzine.de/files/index.php?seite=3&folge=83
    Video: Skrollan Alwert

    Text zur Installation.
    Zur Überwindung des befriedeten Raumes von Oliver Zorn
    Diese Hochsitze sind Symbole für einen Fremdkörper, der nicht an diesen Ort gehört, hier nicht hinein passt. Der Hochsitz des Jägers hat hier nichts verloren. Für den Jäger ist die Stadt ein befriedeter Raum. Er darf / soll in der Stadt nicht jagen. Damit bleibt ihm das Ansitzen in der Stadt verwehrt.
    Dass diese Hochsitze auf uns fremdartig und deplatziert wirken, ist aber auch ein Zeichen dafür, wie weit unserer Lebens- / Stadtraum bereits befriedet ist, wir uns im befriedeten Raum bewegen.
    Der Begriff der Befriedung ist, was den Jäger angeht, ein rechtlicher. Als soziologischer Begriff ist die Bedeutung ähnlich, nur aus einer anderen Perspektive betrachtet.
    In diesem Sinne ist die Stadt für uns befriedet, da der Jäger hier nicht jagen darf. Wir können also davon ausgehen, in der Stadt nicht einem Jagdunfall zum Opfer zu fallen.
    Der Begriff der Befriedung lässt sich hier aus der Sicht des Risikos betrachten. Das Risiko ist ein Zugang zur Bewegung der Gesellschaft, zu den Reaktionen verschiedener Teilchen aufeinander, an denen ich immer gleichzeitig beteiligt und unbeteiligt bin. Der Glaube an die individuelle Situation, an die Willensfreiheit macht die Wahrscheinlichkeit des Risikos unsichtbar. Er suggeriert uns, die riskanten Ereignisse seien auf andere bezogen notwendig, auf mich bezogen zufällig.
    Diese Absicherung der Wirklichkeit erzeugt befriedete Räume, die sich dadurch aus- zeichnen, dass nur bestimmte Funktionen, eine bestimmte Art des Seins, Bewegens, Benutzens in ihnen möglich ist, ohne sie zu (zer)stören und damit die Absicherung zu gefährden. Sie suggerieren eine Sicherheit vor riskanten Ereignissen, vor gewalttätigen Übergriffen durch andere. Die Hoch-sitze sollen als Störfelder gesehen werden und unsere aufwändig abgesicherte Wirklichkeit für eine gewisse Zeit verunsichern und de-konstruieren.
    Diese Verunsicherung ermöglicht uns einen Blick in den topographischen Raum, bevor die Sehgewohnheit die abgesicherte Wirklichkeit wieder herstellt.
    Der befriedete Raum oder die Absicherung gegen das Risiko ist natürlich eine Illusion. Aber möglicher Weise eine notwendige. Genau genommen ist die Bewegung im Raum immer mit Konflikten verbunden.
    Da der Raum für uns endlich ist, hat er auch Grenzen. Die erste Grenze umschließt den Raum. Wenn sich eine Person in einem Raum befindet ist das die einzige Grenze. Sind es aber zwei Personen, kommen Grenzen hinzu. Egal ob sich die Personen wohlgesonnen sind oder nicht. Die Personen müssen sich den Raum teilen.
    Da keiner dem Raum entkommen kann braucht er ein Stück des Raumes für sich. Und das muß er besetzen und grenzt sich damit gegen den anderen ab.
    Dieses Besetzen ist immer auch ein strategisches Besetzen. ZB in der Form, daß man den anderen im Blick hat. Man sitzt ja auch nicht gern mit dem Rücken zur Tür. Auch nicht, wenn es eine Tür in der eigenen Wohnung ist.
    Und mit dieser Strategie wird sich wieder ein Stück gegen das Risiko abgesichert und
    der Raum befriedet.
    August 2008

    # vimeo.com/99871447 Uploaded
  4. Ahead the frappant building, at the grosse bergstrasse in hamburg altona (germany), a radioworkshop was stopped by german police. Date: 1. Nov. 2009 16:00

    # vimeo.com/16916141 Uploaded
  5. FRAPPANT, das große Einkaufszentrum in der Großen Bergstraße in Hamburg Altona, war 2009
    nach jahrelangem Leerstand von 140 Künstlerinnen zum Atelier- und Veranstaltungshaus umgewidmet worden.
    Wenige Monate nach dem Einzug wurde bekannt, daß Ikea das Gebäude abreißen und an seiner Stelle ein erstes innerstädtisches Verkaufshaus mit Vollsortiment errichten möchte.
    Mit Veranstaltungen in der Blinzelbar im Frappant und der KeinIkeaInAltona Initiative organisierten wir den
    Widerstand gegen die Ansiedlung Ikeas in Altona und propagierten ein soziokulturelles Zentrum im
    Frappant. Leider ohne Erfolg, das Frappant wurde 2012 abgerissen.
    Die Blinzelbar war ein polymedialer Projektraum (2005 - 10) von Judith Haman und Heiner Metzger.
    Bei einer der letzten Veranstaltungen, am 20. Dezember 2009, wurde das Duokonzert von
    John Hughes und Heiner Metzger mitgeschnitten. Der Beginn des Konzerts ist der Soundtrack zu den Videos vom Fliegen des Frappantdrachens am Strand von Ostende.

    video/cut: Judith Haman, Heiner Metzger
    Musik: John Hughes: contrabass, Heiner Metzger: Alt Saxophon

    hierunda.de/blinzelbar.html
    keinikeainaltona.wordpress.com

    Hamburg 2013

    # vimeo.com/64684740 Uploaded

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