1. Fellow-Vortrag vom 05.06.2018 von Dr. Antonio Lucci (Wien)

    In den letzten zwanzig Jahren ist die Produktion der Filme über die Untoten (und vor allem über Zombies) rasant gestiegen. Der Zombie ist dabei eine wichtige und mächtige Metapher für ökonomische (Zombie Economics), naturwissenschaftliche, soziale und philosophische Standpunkte geworden. Zombies haben zudem auch eine vielschichtige Kulturgeschichte, die aus der Kritik der kolonialen Geschichte der haitianischen Sklaverei entstand. Diese Verknüpfung mit einer sozialen Kritik der Gesellschaft ist in vielen Erscheinungsformen des Zombie-Mythos präsent geblieben. Der Vortrag wird die Kulturgeschichte des Zombie-Mythos untersuchen und aus unterschiedlichen Perspektiven erläutern: von der haitianischen Ethnographie über die kinematographische Kulturkritik der Konsumgesellschaft bei George Andrew Romero bis hin zu den philosophischen und sozialen Aspekten dieser unheimlichen Figur unserer Vorstellungswelt.

    Dr. Antonio Lucci ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin und derzeit Gast des Direktors am IFK Wien. Im Sommersemester 2016 und im Wintersemester 2017/18 hat er die Professur für „Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Ästhetik“ an der Humboldt Universität vertreten. Davor war er als Post-Doc Forscher am Excellence Cluster Topoi tätig. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Philosophie der Technik, die Verbindungen zwischen Oikonomia und Askese sowie die Geschichte der italienischen Philosophie und der Kulturwissenschaften. Zurzeit habilitiert er zum Thema „Askese als Subjektivierungsstrategie“ am Institut für Kulturwissenschaft der HU Berlin.

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  2. ... oder von Trägheit, Katastrophe und Weltzertrümmerung: Fellowvortrag vom 08.05.2018 von Dr. des. Nassima Sahraoui (Frankfurt a.M.)

    „Die Faulheit ist die Katastrophe seines Lebens.“ So treffend beschreibt Stefan Zweig in seiner Rezension über Iwan Gontscharows Oblomow dessen geistigen und körperlichen Zustand, dessen Trägheit des Weiteren in einer „psychischen Vernichtungskatastrophe“ gipfle. Und tatsächlich führt Gontscharow dem Leser vor, wie jene passive Trägheit des Oblomow den Protagonisten an den Rand seines Untergangs bringt und er letztlich stirbt. Was aber hat es mit diesem Oblomow auf sich? Verbirgt sich in seiner Untätigkeit vielleicht ein widerständiges Moment oder ist diese tatsächlich als Katastrophe zu lesen?
    In meinem Vortrag werde ich dem Zusammenhang zwischen Widerstand, Katastrophe und Trägheit à la Oblomow nachgehen. Unter Berücksichtigung philosophischer und literarischer Schriften (u. a. Benjamin, Marx, Turgenjew) soll diskutiert werden, ob es sich bei dieser Form der Untätigkeit um eine Art epochē (Ausklammerung) handelt, welche – anders als bei den Stoikern oder Skeptikern – nicht etwa zu einem Ethos der Gelassenheit führt, sondern eine kritische, wenn nicht sogar zerstörerische, destruktive Kraft birgt. Handelt es sich bei Oblomow, um es wiederum mit Zweig zu sagen, gar um einen „Heros der Weltgeschichte, der Welten zertrümmert und neue entstehen lässt“?

    Dr. des. Nassima Sahraoui promovierte am Institut für Philosophie der Goethe Universität Frankfurt und lehrte u. a. dort am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Ihre Forschung liegt an den Schnittstellen zwischen Philosophie und Literatur, sowie in der Politischen Theorie, der Geschichte der Philosophie und Philosophie der Geschichte und der Dekonstruktion. Sie publizierte zum Verhältnis von Messianismus und Demokratietheorie, zu Philosophie und Philologie, zu den Begriffen Faulheit und Muße sowie zu Jacques Derrida und Walter Benjamin.

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  3. Vortrag vom 2.5.18 von Dr. Ana Honnacker (Hannover)

    Die Frage danach, was wir tun sollen, stellt sich gerade angesichts einer pluralistischen Gesellschaft in verschärfter Form. Der Bezug auf objektive, universale Werte erscheint, auch philosophisch, zunehmend problematisch. Wie aber kann es gelingen, die Perspektivität von moralischen Urteilen anzuerkennen, ohne zugleich in einen Relativismus abzugleiten, der jede Kritik verunmöglicht?

    Unter Rückgriff auf den philosophischen Pragmatismus soll im Vortrag einem Ansatz nachgegangen werden, der die grundsätzliche Pluralität der Werte behauptet, die Konflikthaftigkeit dieser Situation aber in einen Entwicklungsprozess transformieren möchte. Der Prozess der Aushandlung moralischer Ordnungen wird dabei als auf Dauer gestellt und experimentell begriffen: Konsens und Kritik, Gleichgewicht und Subversion führen zu je neuen normativen Vorstellungen, die wiederum auf den Prüfstand geraten. Folgen wir diesem Verständnis, ändert sich auch die Rolle der philosophischen Ethik grundlegend: Sie wird von einem präskriptiven zu einem kritisch begleitenden Projekt. Am Ende steht also die Frage: Was können und dürfen wir von der Moralphilosophie erwarten?

    Dr. Ana Honnacker ist wiss. Assistentin am fiph und arbeitet u.a. zu Themen der Religionsphilosophie und politischen Philosophie mit dem Schwerpunkt Pragmatismus.

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  4. Vortrag vom 18.04.2018 von Dipl.-Pol. Agnes Wankmüller (Hannover)

    Antonio Gramsci, der als Mitgründer und zeitweiliges Oberhaupt der kommunistischen Partei Italiens unter Mussolinis faschistischem Regime inhaftiert war, gehört zu den bedeutendsten neomarxistischen Theoretikern des 20. Jahrhunderts. Seine Hegemonietheorie, in deren Rahmen Hegemonie als Moment des Konsenses gilt, welcher neben (und nicht entgegen) dem Moment der Gewalt steht, zeigt den politischen Kampf damit als Kampf um die Vorherrschaft an Deutungen und Ideen. Diese Perspektive, die eine Kritik am ökonomischen Determinismus des traditionellen Marxismus zum Ausdruck bringt, legt eine andere Rolle von Alltagsverstand und herrschender Meinung nahe: Führende Gruppen stützten sich auf kulturelle Institutionen und Ordnungen, die sich über den Alltagsverstand der Geführten stabilisieren. Die Aktualität und Relevanz des politischen Denkens Gramscis speist sich ebenfalls durch die Inanspruchnahme seiner Begriffe durch neurechte Gruppierungen, die eine „Kulturrevolution von rechts“, und damit die politische Hegemonie über die Diskurshoheit in gesellschaftlichen Debatten anstreben.

    Dipl.-Pol. Agnes Wankmüller ist Mitarbeiterin am fiph und dort hauptsächlich für die Institutsbibliothek zuständig. Ihre Themenschwerpunkte sind unter anderem politiktheoretische und soziologische Fragestellungen.

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  5. Fellow-Vortrag vom 16.01.2018: Sebastian Tränkle M.A. (Berlin)

    In dem Satz von Karl Kraus, der diesem Vortrag den Titel gibt, steckt nicht weniger als ein Programm philosophischer Sprachkritik. Der Vortrag möchte es entfalten, indem er die Funktionen von Metaphern in der Sprache der Philosophie thematisiert. An ausgewählten Metaphern soll ihre Ambivalenz diskutiert werden. Zum einen erweisen sich Metaphern als unverzichtbare Darstellungsformen: Ohne sie ließe sich schlicht nichts über unsere Erfahrungen in und mit der Welt sagen. Zum anderen stiften metaphorische Vorstellungen Leitbilder, an denen sich unser Nachdenken über die Welt oft unbewusst ausrichtet. Solche „Kanalisierung“ des Denkens und Sprechens lässt sich als ihre ideologische Funktion bestimmen, der wir aber nicht hilflos ausgeliefert sind. Der Vortag möchte zeigen, wie sich philosophisch mit dem Problem der Metapher umgehen lässt. Mit der „Metaphorologie“ (Hans Blumenberg) verfügt sie über ein ideologiekritisches Verfahren, das an der Sprache zu Tage treten lässt, was unser Denken und Handeln motiviert. Es ermöglicht uns, nach dem Welt- und Praxisbezug der Sprachformen zu fragen und sie auf ihre Angemessenheit hin zu untersuchen. So lässt sich ideologischen Vorstellungen über die Welt, die Gesellschaft usw. nachspüren, die „in die Sprache gerutscht“ sind (Theodor W. Adorno). Das ermöglicht der Philosophie, zwischen ideologischen Funktionen und den Ausdrucks- bzw. Erkenntnispotentialen metaphorischer Sprache zu unterscheiden.

    Sebastian Tränkle M. A. hat in Leipzig Philosophie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaften studiert. Gegenwärtig schließt er an der Freien Universität Berlin sein Dissertationsvorhaben über Philosophische Sprachkritik bei Theodor W. Adorno und Hans Blumenberg ab. Gastaufenthalte führten ihn an die University of California in Berkeley und an die School of Visual Arts in New York. Er unterrichtet im dortigen Studiengang Critical Theory and the Arts sowie am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin. Sein Interesse gilt der Sprachphilosophie und der Rhetorik, der Ästhetik und der Literaturtheorie, der Sozial- und Kulturphilosophie sowie der praktischen und politischen Philosophie.

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Forschungsinstitut für Philosophie Hannover - fiph

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