Die Soziale Plastik nach dem Ende des 20. Jahrhunderts

Ort: Pinakothek der Moderne / DENKRAUM DEUTSCHLAND

Sein ganzes Leben, seine künstlerische Arbeit und seine Lehre stellte Beuys in den Dienst der Arbeit an der Sozialen Plastik. Nach seinem Tod und nach dem Ende des 20. Jahrhunderts lässt sich feststellen, dass die Reformforderungen, die er mit der Idee der Sozialen Plastik verband, für unsere Gegenwart zunehmend Relevanz gewinnen: Sie erweisen sich als visionär. Beuys’ Warnungen („die Zeitbombe tickt“) wurden viel zu lang ignoriert.

Jetzt erst, immer bedrohlicher werdende Katastrophen vor Augen, kommen Politik und Wissenschaft zu ähnlichen Erkenntnissen und Lösungsvorschlägen, wie sie Beuys schon vor Jahrzehnten formulierte. Für Beuys war Material mehr als der Ausgangsstoff zur Transformation in Kunst: Er erkannte Materialien und Stoffen eigene gestalterische Kraft zu. So zeigen sich im Basaltgestein Gestaltungskräfte der Erde: Basalt bildet sich, indem Magma (Deutsch: geknetete Masse) die verletzliche Erdkruste durchbricht. Die sechseckig-kristallinen Säulenformen scheinen wie von Menschenhand geschaffen und sind vor Millionen von Jahren durch plötzliches Abkühlen der Wärmeenergie des Erdinneren entstanden.

Basalt muss, ähnlich wie Schiefer, Beuys immer schon fasziniert haben, denn er verwendete dieses schwer zu verarbeitende Material schon in frühen Kreuzskulpturen (1953), die er „Basaltkreuz-Basaltplastik“ nannte. Das „Ende des 20. Jahrhunderts“ ist eines der Hauptwerke der großen Beuys-Sammlung der Pinakothek der Moderne. Die über den Boden „hingestreuten“ Basaltsäulen erinnern an Ruinen von antiken Tempeln, stumme Zeugnisse einer untergegangenen Hochkultur. Beuys hat bei jedem der Basaltblöcke einen exakt kreisförmigen Kegel herausgesägt und anschließend wieder genau mittig eingesetzt.

Die Einschnitte erscheinen wie störende und schmerzhafte Eingriffe des Menschen in die Naturform. Beuys hat die nabelförmigen Verwundungen mit Filz und Ton, „damit sie sich nicht weh tun und es warm haben“, zu heilen versucht. Doch nach dem Ende des 20. Jahrhunderts haben sich diese „Heilmittel“ aufgelöst, sind kaum mehr sichtbar zu Staub zerfallen: ein Memento bedenklicher Symbolkraft.

Der Vortrag von Johannes Stüttgen fand im DENKRAUM DEUTSCHLAND statt. Diese künstlerkuratierte Zwischennutzung eines Ausstellungssaals in der Pinakothek der Moderne widmet sich alljährlich eine Woche lang jeweils einem sozialen und politischen Aspekt der Kunst – ganz im Sinne von Joseph Beuys.

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Edition Johannes Stüttgen

This channel solely devotes to the work and the lectures of Johannes Stüttgen, former master pupil of Joseph Beuys and co-founder of the OMNIBUS for direct democracy in Germany.
Throughout the year Stüttgen has several appearances talking about the connection…


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This channel solely devotes to the work and the lectures of Johannes Stüttgen, former master pupil of Joseph Beuys and co-founder of the OMNIBUS for direct democracy in Germany.
Throughout the year Stüttgen has several appearances talking about the connection of art and democracy, the social sculpture. His ideas are progressive, his lectures a happening.

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