Vertrieben. Juden und Jüdinnen aus dem Burgenland im Interview

Fred Poll wurde 1921 in Eisenstadt als Alfred Politzer geboren. Sein Vater Heinrich Politzer kam aus Pöttsching, seine Mutter Johanna, geborene Lackenbacher, aus Sigleß. Seine Eltern lebten zunächst in Sopron, zogen 1892 aber nach Eisenstadt. Der Vater begann bei der Firma Wolf als Weineinkäufer zu arbeiten. Fred war das jüngste von fünf Geschwistern. Nach der jüdischen Volksschule besuchte er das Gymnasium in Eisenstadt, wurde aber 1938 in der 7. Klasse von den Nationalsozialisten der Schule verwiesen. Nachdem die Familie aus der Wohnung in der Josef-Weigl-Gasse vertrieben wurde, lebten sie kurze Zeit mit der Großmutter väterlicherseits im jüdischen Viertel von Eisenstadt. Im September 1938 wurden sie aus Eisenstadt verwiesen und kamen in Wien bei Verwandten unter. Durch einen Bekannten sowie einen Bruder von Fred, der bereits in den USA war, erhielt die Familie »affidavits« für die Vereinigten Staaten. Im April 1939, als die Situation immer bedrohlicher wurde, gelangte Fred mit Hilfe der Kultusgemeinde in Wien nach England in das »Kitchener Camp« (Transitlager) in Kent, wo er in der Poststelle beschäftigt war. Seine Eltern kamen mit dem Schiff »Bremen« über Bremerhaven im August 1939, nur wenige Tage vor dem Überfall Deutschlands auf Polen, nach New York. Im Februar 1940 gelangte auch Fred in die USA. Im Dezember 1942 wurde er zur US-Army eingezogen und arbeitete beim »Intelligence Service«, wo er deutsche Kriegsgefangene vernahm. Im Oktober 1945 kehrte er wieder nach New York zurück und eröffnete nach drei Jahren Tätigkeit in der optischen Industrie ein eigenes Optikergeschäft, das er zusammen mit seiner Frau bis 1990 erfolgreich führte. Fred Poll verstarb im Jahr 2005 in New York.

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Seit 2001 führt die Burgenländische Forschungsgesellschaft (BFG) lebensgeschichtliche Interviews mit vertriebenen Juden und Jüdinnen des Burgenlandes durch. Dieser Kanal präsentiert kurze Videoportraits der Interviewten. Für die Verwendung als Unterrichtsmaterial…


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Seit 2001 führt die Burgenländische Forschungsgesellschaft (BFG) lebensgeschichtliche Interviews mit vertriebenen Juden und Jüdinnen des Burgenlandes durch. Dieser Kanal präsentiert kurze Videoportraits der Interviewten. Für die Verwendung als Unterrichtsmaterial an Schulen können DVDs dieser Interviewausschnitte bei der BFG kostenlos bestellt werden: office@forschungsgesellschaft.at
Der Großteil der Lebensgeschichten wurde in der Publikation "Vertrieben. Erinnerungen burgenländischer Juden und Jüdinnen. Hrg. von Alfred LANG, Barbara TOBLER, Gert TSCHÖGL, Mandelbaumverlag 2004." publiziert.
Homepage der BFG: http://www.forschungsgesellschaft.at

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